"Das lassen wir nicht mit uns machen"

Schützenfest an St. Germanus: Deutliche Worte für die Stadtverwaltung

Von Montserrat Manke

Wesseling. Sie sind der älteste Verein von Wesseling, und sie legen viel Wert auf Tradition: Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft vor 1518. Das muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen: Seit über 492 Jahren wirken die Wesselinger Schützen in der Stadt am Rhein. Doch jetzt ist der Verein mit seinen rund 100 Mitgliedern vom Aus bedroht.

Eigentlich sollte dieser Bericht ein ganz normaler Zeitungsbeitrag über das jüngste Schützenfest werden. Vielleicht noch mit ein wenig Hintergrundinformation, warum man denn in diesem Jahr keinen Schützenkönig hat. Doch im Gespräch mit Dieter Stommel, dem ersten Brudermeister des Vereins, wird immer mehr klar: Bei den Schützen ist einiges im Argen. Zum einen fehlt den Freunden des Schießsports eklatant der Nachwuchs. Schützenvereine haben - spätestens seit dem Amoklauf von Winnenden - einen schlechten Ruf.

"Völlig zu Unrecht", empört sich Stommel, der seit 50 Jahren dem Verein treu ist. "Die Jugend ist in unserem historischen Verein gut aufgehoben. Wir kümmern uns, und wir sind auch kein Saufverein", setzt der 69-Jährige energisch hinterher.

Aber es kommen nicht nur keine neuen Mitglieder nach, auch alte brechen weg - das ist der natürliche Verlauf: "Sie werden krank, altersbedingt, und uns sterben die Mitglieder weg", stellt der engagierte Ehrenamtler klar.

Außerdem sei es immer schwieriger, die staatlichen Auflagen zu erfüllen. So kann beispielsweise das Königsschießen nicht mehr im Pfarrsaal von St. Germanus stattfinden, denn der Schießstand, der alljährlich dort aufgebaut wurde, entspräche nicht den neuen Auflagen. "Und im Schießkeller im Rathaus - da können wir doch kein Schützenfest machen", so der Brudermeister weiter, "da kommt doch keiner".

Doch besonders schlimm träfe der Verein die Ankündigung, künftig Nutzungsgelder von den Sportvereinen zu nehmen: "Stellen Sie sich das mal vor, 10 Euro pro Übungsstunde. Zehn Stunden die Woche - da können wir den Verein zumachen", rechnet Stommel.

Der sympathische Pensionär redet sich in Rage, erzählt, im letzten Verbandsjournal, dem "Brudermeister", habe er gelesen, dass man in Stuttgart plane, eine Jahresgebühr für jede Vereinswaffe einzuführen: "Hundert Euro", erklärt er. "Wenn das auch bei uns kommt. Nein, wirklich, wir werden von allen Seiten beschossen", schließt er.

Und weil so viel Ärger ein Ventil braucht, findet der erste Brudermeister bei der Begrüßung der offiziellen Vertreter zwar auch herzliche Worte, aber er macht seinem Unmut über die geplanten Nutzungsgebühren gegenüber dem städtischen Vertreter, Peter Neb, Vorsitzendem des Sportausschusses, durchaus Luft. "Das lassen wir nicht mit uns machen, darüber müssen wir reden", sagt er in der offiziellen Ansprache. Neb indes rudert gegenüber dem Werbekurier zurück: "Da ist noch gar nichts entschieden", sagt er auf die Frage, ob tatsächlich 10 Euro pro Übungsstunde erhoben werden sollen.

Doch Anlass zur Freude gab es beim recht gut besuchten Schützenfest auch: Nicht nur dass die Stadtgarde flott aufspielte und man sich beim Laserschießen messen konnte, sondern Philipp Schwarz von der Wesselinger VR-Bank brachte einen Scheck in Höhe von 500 Euro (aus dem PS-Zweckertrag Sparen) mit, Anne Schulten vom Stadtsportverband überreichte einen Obolus, und Ortsbürgermeister Theo Engels, selbst Vereinsmitglied und Schützenkönig von 1977, versprach ebenfalls einen Beitrag für die Vereinskasse: "Aus meiner Privatschatulle, die Stadt hat ja nix mehr", so der 70-Jährige in seiner gewohnt lockeren Art.

Bleibt zum Schluss nur noch die Klärung der Frage, warum es in diesem Jahr keinen Schützenkönig gibt: "Das ist ein sportlicher Wettkampf, und es müssen genügend Bewerber antreten. Sonst ist es nicht fair", so Stommel. Und an denen habe es eben diesmal gemangelt.

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