Von Montserrat Manke
Wesseling. An den Sommer im Jahre 2000 erinnere ich mich noch gut. Der Werbekurier hatte für eine Typisierungsaktion für ein an Leukämie erkranktes Mädchen aufgerufen, und sage und schreibe über 1000 Menschen kamen und ließen sich testen.
Die Hilfsbereitschaft seinerzeit war immens, auch wenn bei der
Aktion für das Kind kein Spender gefunden wurde. Heute geht es
der mittlerweile jungen Frau wieder gut, sie ist nach erfolgreicher
Chemotherapie wieder geheilt.
Eine, die sich seinerzeit auch testen ließ, war Petra
Hagenhoff. Sieben Jahre später erhält die Wesselingerin
einen Brief von der Deutschen Knochen Mark Spenderdatei: Sie komme
eventuell für eine Knochenmarkspende für eine kleine
Leukämiepatienten infrage. Es folgt eine weitere
Blutuntersuchung, die die Gewissheit bringt: Hagenhoff kann
spenden. Unter Vollnarkose wird ihr in der Dresdner Uniklinik das
Knochenmark-Blutgemisch aus dem Beckenkamm entnommen und die
Spenderin weiß nur, dass es für ein kleines Mädchen
aus Bangladesh bestimmt ist. Aber wenige Monate später stellt
sich heraus, die Spende hat nicht gereicht, Hagenhoff muss noch
einmal helfen. Vier Monate später dann die großartige
Nachricht: das Immunsystem der kleinen Bushra arbeitet wieder.
Wieder gehen zwei Jahre ins Land und seitens der Familie des
Mädchens, aber auch bei Petra Hagenhoff wächst der Wunsch
nach einem persönlichen Kennenlernen. Die Familien tauschen
sich per E-Mail aus, und im Juli diesen Jahres schließlich
kommt die mittlerweile Sechsjährige zur Nachuntersuchung nach
Deutschland und spontan fragt ihr Vater die Hagenhoffs nach einem
Treffen. Und so steht Petra Hagenhoff mit ihrem Mann und der
jüngsten Tochter am Kölner Hauptbahnhof und als Bushra
und ihr Vater aus dem Zug steigen, läuft die Wesselingerin mit
ausgestreckten Armen auf die beiden zu. Buhsras Vater schließt
die Lebensretterin in seine Arme und sofort ist große
Sympathie da. Das kleine Mädchen versteckt sich zwar erst
schüchtern hinter ihrem Vater, doch bei den Hagenhoffs daheim
in Wesseling taut Bushra auf: Sie plappert drauf los und sagt auf
Bengalisch immer wieder: "Ihr gehört jetzt zu meiner
Familie". Zwei Tage bleiben die Gäste in der Stadt am
Rhein und dabei schließt Bushra eine innige Freundschaft mit
den Hagenhoffs, insbesondere mit der 17-jährigen Tochter.
"Sie gehören jetzt auch zu unserer Familie", sagt
Petra Hagenhoff



