"Als ich den Artikel las, war mir klar, dass ich Stellung nehmen muss. Die Bürger waren in all den Jahren, als sie diese Fahrten miterleben konnten, stolz auf ihre Stadt, denn immer wieder war zu hören: "Wesseling bietet seinen Bürgern etwas, was in anderen Städten nicht möglich ist, weil niemand die Initiative ergreift, so etwas zu organisieren und durchzuführen."
Mit Enthusiasmus und Stolz wurde in den besuchten Städten berichtet und erklärt, wo denn Wesseling auf der Landkarte zu finden sei und was ihr Bürgermeister (damals Günter Ditgens) den Bürgern bietet.
Diese Fahrten - Eine Stadt geht auf Reisen oder Seniorenfahrten - hatten je für sich zum Teil auch bewegende Hintergrundgeschichten. Sehr häufig wurde berichtet:
- Alleinerziehende Mütter oder Väter können sich mit ihren Kindern zwar keine Ferienfahrten leisten, das Geld reicht aber, um eine solche Tagesfahrt gemeinsam zu unternehmen.
- Sehr viele Teilnehmer erzählten, dass sie für diese Fahrten - für die Gebühren bei der Stadt und auch ein wenig Vergnügen (Essen, Trinken und vielleicht auch ein Souvenir) - im Vorfeld sparen.
- Personen (z.B. Senioren) haben ein geringes Einkommen. Einmal im Jahr freuen sie sich auf die Fahrt: 'Wir kommen mal raus, sehen was anderes und können es bezahlen.'
- Die Fahrten haben auch für glückliche Zeiten gesorgt: Eine Großmutter hatte ihren Enkel aus England zu Besuch und genoß es, mit ihm die Fahrt machen zu können.
- Großeltern fuhren mit nach Amsterdam. Dort wohnen ihre Enkel mit den Eltern. Eine wunderbare Gelegenheit, sie einen Tag zu treffen.
- Zwei betagte Schwestern fuhren stets bei den Seniorenfahrten mit. Eine der Damen war schwer krank. Als die Seniorenfahrt zum zweiten Mal nach Rüdesheim führte, war ihr großer Wunsch, noch einmal mit dem Schiff - in diesem Jahr von Rüdesheim nach Konblenz - zu fahren. Dank der städtischen Fahrten konnte ihr Wunsch erfüllt werden. Vier Tage danach verstarb sie. Wir - auch Bürgermeister Ditgens, der sich an Bord des Schiffes mit ihr unterhalten hatte - waren froh und glücklich, dass wir ihr diesen letzten großen Wunsch erfüllen konnten.
Solches und Ähnliches könnte noch und noch erzählt werden. Erwähnen muss ich noch, dass bei allen Fahrten immer auch Personen mit Handikap beteiligt wurden: Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehhilfe waren stets herzlich willkommen. Die Fahrten galten nicht nur - wie ein Mitglied des Ausschusses betonte - der allgemeinen Belustigung der Bevölkerung. Sie stifteten Freundschaften und brachten sogar Familienmitglieder, die sich bis dato noch nicht kannten, zusammen.
Kaum waren die Fahrten vorbei, wurde bei persönlichen Treffen, am Telefon, an der Information des Rathauses oder des Krankenhauses gefragt: "Wohin fahren wir im nächsten Jahr?"
Doch nun beschloss der Kultur- und Partnerschaftsausschuss der Stadt Wesseling, dass diese Fahrten in Zukunft entfallen. Kann eine Stadt ihr Image besser und eindrucksvoller verlieren? Vor Jahren - niemand dachte an den Nothaushalt und nötige Sparmaßnahmen der Stadt - sagte mir ein sehr kluger Mensch: " Sparen ist sehr gut, aber zu viel ist am Ende tödlich. Das Resultat ist, dass man das Gesparte auf irgendeine Art und Weise später doppelt und dreifach bezahlen muss."
Die Mitglieder des Stadtrates sind Bürger dieser, unserer Stadt. Sie sind unsere Vertreter und beauftragt, die Interessen der Bürger von Wesseling zu vertreten. Welche Opfer bringen denn eigentlich die Rats- und Ausschussmitglieder und wie beteiligen sie sich an den Sparmaßnahmen? Diese Ausgaben sollten auch dringend auf den Prüfstand!
Eines ist gewiss - die nächsten Wahlen kommen bestimmt!!!"
Hans-Peter Mandt
50389 Wesseling




