Kindererziehung findet nicht mehr statt
Es kommt nicht von ungefähr, dass Kinderlärm stört. Auch die Empörung des Kinderschutzbunds ignoriert die Tatsache, dass Kindererziehung nicht mehr stattfindet. Dass sich Kinder frei entfalten sollen, ist unbestritten. Jedoch leben wir in einer Gemeinschaft, in der gewissen Anpassungen notwendig sind. Jeder von uns hat es schon erlebt: Jugendliche und Kinder räumen Erwachsenen keinen Raum mehr ein. Kommen sich "Alte" und "Junge" auf schmalem Gehweg entgegen, machen die Alten Platz, weil sie es noch gelernt haben. Die Jungen weichen keinen Millimeter. So erzieht man eine Ellenbogengesellschaft. Und es sind später die gleichen Leute, die diese Ellenbogen-Gesellschaft dann missbilligen. Die heutige Kindererziehung mit dem Gedanken der freien Entfaltung ist ein Weg in den Egoismus. Eine notwendige Rücksichtnahme für ein harmonisches Miteinander wird nicht mehr gelehrt. Nur so ist erklärbar, dass sich beide Gruppen (die Alten und die Jungen) immer weiter von einander entfernen. Und wenn der Kinderschutzbund mit dem Begriff "Ausgrenzung" agiert, wird es dringend Zeit, einen gemeinsame Weg zu finden. Denn mit der freien Erziehung der lieben Kleinen geht die Ausgrenzung der Alten einher. Alle in einer Gemeinschaft Lebende haben Rechte, aber auch Pflichten. Kinder müssen sich austoben dürfen, aber die ungestüme Freiheit darf nicht zur Belastung der Allgemeinheit werden. Eine gemeinsame Lösung muss her, nichts Anderes hat Herr Kuckart gesagt und gemeint. Kinderlärm sollte Musik in unseren Ohren sein. Aber auch Musik kann zu laut und damit schädlich sein.
Mit freundlichem Gruß
Hermann Schmitz
Dechant-Tücking-Straße 1
Offener Brief an Leonhard Kuckart, Landesvorsitzender der Senioren-Union NRW
Sehr geehrter Herr Kuckart,
die von Ihnen entfachte Diskussion um "Lärm" von Kindern in Wohngebieten hat allgemein für große Empörung auch bei der Senioren-Union Pulheim und Rhein-Erft geführt. Mit Befremden wird Ihre ablehnende Haltung zum Gesetzesentwurf zur geplanten Novellierung der Baunutzungsordnung durch die Bundesregierung zur Kenntnis genommen. Sie lehnen nach Presseverichten die generelle Zulassung von KiTas in Wohngebieten als Verstoß gegen das Grundgesetz ab, weil hier Rechte der älteren Menschen verletzt würden und gehen sogar so weit, das "Kinderlachen, -singen, -weinen und -schreien in der Lautstärke mit dem "Hämmern eines Presslufthammers" zu vergleichen. Sie sind zwar ein Mann der offenen, klaren und manchmal schroffen Worte, aber diesmal ist Ihr Vergleich verfehlt.
Als Vorsitzender der Senioren-Union Pulheim und stellvertretender Vorsitzender der Senioren-Union Rhein-Erft weise ich Ihre Äußerungen entschieden zurück. Vor Ort bemühen wir uns um einen enge Zusammenarbeit mit der Jungen Union und Frauen-Union. Unserer Meinung nach gehören die Kinder in die Mitte unserer Gesellschaft und somit auch der "Kinderlärm". Es muss möglich sein, dass Eltern ihre Kinder in der Nähe ihrer Wohnung in einer KiTa unterbringen könnnen und nicht zu einem "Kleinkindertourismus" gezwungen werden.
Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland sich immer weniger Frauen für Kinder entscheiden, die ja unsere Zukunft sind, dürfen Kinder bei uns nicht ausgegrenzt werden. Vielmehr muss alles dafür getan werden, dass unsere Gesellschaft wieder kinderfreundlicher wird, um den negativen Folgen des demografischen Wandels, besonders für die ältere Bevölkerung, entgegenzuwirken.
Als Mitglieder der Senioren-Union sehen wir vor Ort unsere Aufgabe darin, uns für die Rechte der älteren Menschen einzusetzen, aber auch das Zusammenleben der Generationen zu fördern und nicht zu erschweren.
Mit freundlichen Grüßen
Siegbert Renner
Vorsitzender der Senioren-Union Pulheim
