Im Rathauskeller wird geschossen

Schützenfest in Wesseling - kein König - "Uns fehlt der Nachwuchs"

Von Montserrat Manke

Wesseling. Schießen, das würden die jungen Leute schon gerne wollen. Aber Sonntagsmittags um eins in der Uniform parat stehen, um über die Dörfer zu marschieren - nein, das wäre ja uncool. Dieter Stommel, erster Brudermeister der St. Sebastianus Schützenbruderschaft spricht deutliche Worte, als wir uns unterhalten. Mit an unserem Tisch haben Dietmar Vetterling und Dieter Voosen Platz genommen. Somit ist die Expertenrunde komplett, denn Vetterling ist stellvertretender Diözesanbundesmeister, Loosen der amtierende Bezirkskönig des Bezirksverbandes Brühl, zu dem auch die Wesselinger Schützen gehören.

Es ist Schützenfest in Wesseling. Auf dem Platz vor St. Germanus spielen die Rotbach Crainer zur Blasmusik auf, an den vielen Tischen sitzen - logisch - zahlreiche Grünröcke, aber auch das "gemeine Volk" ist in das Herz der City gekommen, um vielleicht eine Erbsensuppe zu essen, oder später von dem riesigen Kuchenbüfett zu naschen.

Über 20 Ehrenamtler der Bruderschaft und ihre Frauen sind im Einsatz, um der Bevölkerung ein paar schöne Stunden zu bereiten. "Schütze sein, das bedeutet Brauchtum", weiß Stommel.

Er erklärt, warum die Wesselinger in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge keinen Schützenkönig haben: "Uns fehlt der Nachwuchs", gibt er zu und stellt fest: "Das ist doch auch eine finanzielle Sache - das kann doch ein Rentner heutzutage nicht mehr leisten". Denn als Schützenkönig, da muss man viel ausgeben und viele einladen.

Was es denn kosten würde, dieses Amt, will ich wissen. "So genau kann man das nicht sagen", wirft Vetterling ein, denn es hänge stark mit der Vereinsgröße zusammen.

Die Zeiten seien schwer, für historische Schützenvereine, so Stommel, die immensen Auflagen, das verschärfte Waffengesetz, aber auch die Altersgrenze für Jungschützen: "Gucken Sie mal, schießen darf man erst ab zwölf. In den Fußballverein ab sechs". Und wenn die Kinder sich dann entscheiden müssten, dann blieben sie lieber im Fußballverein: "Unser Sport ist nicht öffentlichkeitswirksam".

Ja, Stommel und seine Schützenkollegen reden vom Schießen als Sport und die Waffen, das sind Sportgeräte. Ab 12 Jahre darf man mit dem 4,5 Millimeter Luftgewehr schießen, ab 16 Jahre mit dem 6 Millimeter Kleinkaliber. Zwar besitzt die Wesselinger Bruderschaft, die im Rathauskeller ihren Schießstand hat, auch Luftpistolen, aber die kämen "so gut wie nie" zum Einsatz.

Daneben gehört dem Verein noch ein Lasergewehr, mit dem man ohne Altersbeschränkung auf die elektronische Scheibe zielen und feuern kann. "Aber selbst dafür brauchen wir eine Sondergenehmigung, beim Stadtfest zum Beispiel - wir konnten uns nicht einfach damit hinstellen. Die Kreispolizeibehörde erteilte uns eine Erlaubnis", sagt Dieter Stommel. "Und eine Armbrust, bei der man sich schon beim Spannen schwer verletzen kann, ist laut Bundeswaffengesetzt noch nicht mal eine Waffe", gibt Dietmar Vetterling zu bedenken.

Viel Schuld am weniger guten Image der rund 250 000 deutschen Schützen habe aber auch die Presse: "Wenn da ein Schützenbruder mit dem Bier in der Hand etwas wackelig ist, steht am nächsten Tag in der Zeitung, alle Schützen saufen", beschwert sich Vetterling.

Doch wie geht es jetzt weiter mit Wesselings ältestem Verein? Es sei schwierig, man könne nicht in die Schulen gehen, um um Nachwuchs zu werben: "Wenn die Lehrer hören, Schützen, dann winken sie schon ab", so Stommel. Aber man gebe nicht auf, schließlich soll 2018 das 500-jährige Bestehen groß gefeiert werden.

Warum man denn in einen Schützenverein gehen sollte, begehre ich abschließend von meinem Expertentrio zu erfahren. "Um Tradition und Brauchtum in der Bundesrepublik zu pflegen", sagt Dietmar Vetterling. "Um vor Ort das Vereinsleben zu stärken", setzt Dieter Stommel hinterher. "Weil es eine Herzenssache ist", so das Schlusswort von Dieter Loosen.

Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft von 1518 eV. trainiert immer sonntags und mittwochs ab 18 (bis 20) Uhr im Rathauskeller, Informationen beim ersten Brudermeister Dieter Stommel unter 0 22 36/84 10 50, Mobil 017/272 13 66. E-Mail: h.d.stommel@arcor.de.

Letzte Änderung: Montag, 01.08.2011 13:01 Uhr

Umfrage oder Abstimmung verpasst?

Kein Problem! Einfach hier klicken, selbst abstimmen und gucken, wie die anderen gevotet haben! »

ePaper Sonderausgabe: Zeit des Abschiednehmens - Ausgabe Nord

Die Sonderausgabe "Zeit des Abschiednehmens - Ausgabe Nord" steht Ihnen als separates ePaper zur Verfügung. »

ePaper Sonderausgabe: Zeit des Abschiednehmens - Ausgabe Süd

Die Sonderausgabe "Zeit des Abschiednehmens - Ausgabe Süd" steht Ihnen als separates ePaper zur Verfügung. »

ePaper Sonderausgabe: Rhein Regional

Die Sonderausgabe "Rhein Regional" steht Ihnen als separates ePaper zur Verfügung. »

ePaper Sonderausgabe: Barrierefrei

Die Sonderausgabe "Barrierefrei" steht Ihnen als separates ePaper zur Verfügung. »

ePaper Sonderausgabe: AZUBI gesucht

Die Sonderausgabe "AZUBI gesucht" steht Ihnen als separates ePaper zur Verfügung. »

Blaulicht - Der Rhein-Erft-Polizeireport

Jeden Tag aktuell die wichtigsten Polizei- und Feuerwehrmeldungen aus dem Rhein-Erft-Kreis und der Region... »

3 x Wesseling Alaaf!!!!

Sie ist eröffnet, die neue Session! Hier geht es zu den neuen Bilderalben, den Vorstellungen der neuen Tollitäten und den ersten jecken Sessionsauftakten! »

Alle Titel im Großraum Köln/Bonn

Lernen Sie die weiteren Anzeigenblätter im Großraum Köln/Bonn kennen. »

Wesselinger Schnappschüsse


Bilder aus der Stadt am Rhein und die Geschichten, die dahinter stecken - gleich hier gucken! (57 Bilder) »

Wesselinger Tiergeschichten

Storys über Wesselinger Vierbeiner - gesucht, gefunden, im Portrait, unser Leseralbum mit den schönsten Tierfotos und Tiere aus dem Tierheim: Gleich hier gucken! »

Schöne Bilder!


Hier finden Sie alle Bilderalben des Werbekuriers! Gleich hier klicken: (50 Alben) »

Kultur und Co.

Hier finden Sie Hinweise auf Konzerte, Basare, Theater und vieles mehr! »

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Zu vielen Themen haben unsere Leser ihre ganz eigene Ansicht. Lesen Sie hier unsere Leserbriefe oder verfassen selber einen! »

Sie suchen einen Artikel?

Hier gehts zum Archiv! »