In 100 Jahren viel passiert

Urfelder Freiwillige Feuerwehr feiert Jubiläum

Von Montserrat Manke

Urfeld. Alles fing an mit zwei Handdruckspritzen und einem Schlauchwagen. Und da, wo früher mal die schwedische Botschaft war, befand sich der Kasten mit dem Signalhorn. Wir blicken zurück auf Urfeld im Jahre 1911: Eine Handvoll Männer gründen die Freiwillige Feuerwehr in dem kleinen Rheinanliegerort. Es ist nicht überliefert, wie viele es waren, und wie sie hießen, aber bei einer Pflichtfeuerwehr mit einer Stärke von 138 Männern elf Jahre zuvor, kann man davon ausgehen, dass in Urfeld das Vereinsengagement vor 100 Jahren ähnlich hoch gewesen sein muss, wie heute.

Zumindest weiß man, dass schon zwei Jahre später 30 Feuerwehrmänner hier aktiv sind. Sie proben den Ernstfall mit den zwei Handdruckspritzen und dem Schlauchwagen. Und es dauert nicht lange, da kommt alles zum Einsatz: Bei Kalders und im "Schneiderchens Haus" brennt es.

1924 bekommt die Urfelder Wehr einen Übungsturm, der aus alten Baumstämmen gefertigt seinen Platz auf dem Schulhof findet. Selbstredend genießen die Ehrenamtler in der Bevölkerung ein hohes Ansehen, und die Führungskräfte sind ortsbekannte Persönlichkeiten, wie beispielsweise Schreinermeister Alfred Steffen, der nicht nur stellvertretender Brandmeister ist, sondern sogar zum ehrenamtlichen Polizeibeamten ernannt wird.

Doch all das kann nicht verhindern, dass sich die Urfelder Wehr irgendwann nach dem 25. Jubiläum im Jahre 1936 auflöst. Akten aus der Zeit gibt es nicht, aber schon Jahre zuvor zuvor gab es Schwierigkeiten, die Wehr drohte mit Auflösung, weil dringend benötigtes Löschgerät nicht beschafft wurde. Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass die Nationalsozialisten versucht haben, die Führung der Feuerwehr zu übernehmen.

Wie auch immer: Am Dreikönigstag 1939 beschlossen die Bürger, ihre Freiwillige Feuerwehr wieder zu beleben, denn unter den "braunen Machthabern" habe man keine Freude gehabt, die Arbeit sei zur Schikane geworden: Jeder männliche Einwohner von 18 bis 65 musste bei der Pflichtwehr Übungsdienst leisten, der ausschließlich aus Exerzieren bestand, und wer nicht erschien, wurde bestraft.

Der zweite Weltkrieg brach aus und für die Urfelder Freiwilligen bedeutete dies, unzählbare Stunden Einsatz für die Mitbürger. Darüber hinaus lichteten sich die Reihen, denn die meisten mussten in den Krieg ziehen. Die Lücken wurden von der Hitlerjugend geschlossen, die die wenigen Männer, die nicht auf dem Feld waren, unterstütze.

Das alte Spritzenhaus an der damaligen Haupt- und heutigen Rheinstraße diente noch bis lange nach dem Krieg (1954) zum Unterstellen der Löschgeräte, und hier gab es auch einen Raum, wo man "Spitzbuben" einsperrte, bis die Polizei sie abholen kam. 1955 kommt ein neues Löschfahrzeug hinzu, und 1979 feiert die Wehr das 40. Jahr ihrer Wiedergründung. Auch die weiteren Jubiläen werden groß begangen.

Daneben sind es natürlich die Einsätze, die die heute 44 Aktiven immer wieder in Atem halten: Alleine die Nähe zu "Vater Rhein" sorgt dafür. Immer wieder gibt es Tote im Wasser zu beklagen, oder Tanker, die Leck schlagen. 2001 brennt die Achterbahn im Phantasialand und auch die Urfelder Wehr hilft mit: " Das und das Zugunglück in Brühl waren unsere größten Einsätze. Und natürlich der Besuch des Papstes auf dem Marienfeld", erinnert sich Stephan Hahn, Brandoberinspektor und seit 2002 Chef der Urfelder Wehr.

Der Feuerwehr zur Ehre kann man zurzeit bei der VR Bank auf der Rheinstraße eine kleine Ausstellung von Uniformen und historischen Gerät der Feuerwehr bewundern. Zur Eröffnung war auch Dezernent Bernhard Hadel gekommen, in dessen Dezernat die Feuerwehr angesiedelt ist.

Außerdem ist Hadel Brandmeister ehrenhalber, und bei der Ausstellungeröffnung erklärte er, dass man "nach und nach" die neuen Sicherheitsanzüge für alle Feuerwehrmänner in der Stadt am Rhein anschaffen wolle. Das sei allerdings mit Kosten von über 100 000 Euro verbunden.

Und was wünscht der Brandmeister ehrenhalber seiner Feuerwehr für die Zukunft? "Das die große Kameradschaft weiter so gepflegt wird. Die Urfelder Feuerwehr ist eine große Familie, in der sich alle wohlfühlen, vom Jugendlichen bis zur Ehrenabteilung".

Dem schlossen sich Dirk Naaf, Filialleiter der VR-Bank in Urfeld und Ralf Büser, Marktbereichsleiter der VR-Bank aus Brühl an, verbunden mit dem Wunsch, immer gesund vom Einsatz nach Hause zu kommen.

Zum Jubiläum richtete die Wehr nicht nur einen großen Festkommers mit Zapfenstreich (wir berichteten) aus, sondern das diesjährige Feuerwehrfest wurde auf zwei Tage ausgedehnt: Erstmals gab es am Samstagabend einen Dämmerschoppen, der gut besucht war.

Sonntag dann war den ganzen Tag ein Kommen und Gehen rund um das Gerätehaus, und vor allem die Kinder hatten viel Spaß an den tollen Attraktionen wie Karussell und Spielemobil, und sogar ein Mitmachzirkus war vor Ort.

"Bis 1990 gab es ja eine Urfelder Kirmes", sagte Werner Röder von der Wehr, und seit 2008 fingen die ehrenamtlichen Brandbekämpfer damit an, diese vor dem neu geschaffenen Platz vor dem Gerätehaus wieder zu beleben.

Mit stetigem Erfolg, denn auch bei der jüngsten Veranstaltung zeigt sich das Dorf geschlossen und hält zusammen: Da geht man einfach hin, und zwar wenn es die Umstände erfordern auch im höchst offiziellen "Outfit", wie beispielsweise die Abordnung der Männerreih, die sich beim Dämmerschoppen in ihrer Vereinsuniform präsentierte. Danach befragt sagte Hans Jonas: "Das gehört sich doch so".

Letzte Änderung: Freitag, 30.09.2011 14:24 Uhr

Umfrage oder Abstimmung verpasst?

Kein Problem! Einfach hier klicken, selbst abstimmen und gucken, wie die anderen gevotet haben! »

ePaper Sonderausgabe: Zeit des Abschiednehmens - Ausgabe Nord

Die Sonderausgabe "Zeit des Abschiednehmens - Ausgabe Nord" steht Ihnen als separates ePaper zur Verfügung. »

ePaper Sonderausgabe: Zeit des Abschiednehmens - Ausgabe Süd

Die Sonderausgabe "Zeit des Abschiednehmens - Ausgabe Süd" steht Ihnen als separates ePaper zur Verfügung. »

ePaper Sonderausgabe: Rhein Regional

Die Sonderausgabe "Rhein Regional" steht Ihnen als separates ePaper zur Verfügung. »

ePaper Sonderausgabe: Barrierefrei

Die Sonderausgabe "Barrierefrei" steht Ihnen als separates ePaper zur Verfügung. »

ePaper Sonderausgabe: AZUBI gesucht

Die Sonderausgabe "AZUBI gesucht" steht Ihnen als separates ePaper zur Verfügung. »

Blaulicht - Der Rhein-Erft-Polizeireport

Jeden Tag aktuell die wichtigsten Polizei- und Feuerwehrmeldungen aus dem Rhein-Erft-Kreis und der Region... »

Vorbei ist vorbei!

Aber gucken will man doch noch: Hier gibt es sie, die ganze Session 2014 zum Nachlesen! »

Alle Titel im Großraum Köln/Bonn

Lernen Sie die weiteren Anzeigenblätter im Großraum Köln/Bonn kennen. »

Wesselinger Schnappschüsse


Bilder aus der Stadt am Rhein und die Geschichten, die dahinter stecken - gleich hier gucken! (57 Bilder) »

Wesselinger Tiergeschichten

Storys über Wesselinger Vierbeiner - gesucht, gefunden, im Portrait, unser Leseralbum mit den schönsten Tierfotos und Tiere aus dem Tierheim: Gleich hier gucken! »

Schöne Bilder!


Hier finden Sie alle Bilderalben des Werbekuriers! Gleich hier klicken: (50 Alben) »

Kultur und Co.

Hier finden Sie Hinweise auf Konzerte, Basare, Theater und vieles mehr! »

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Zu vielen Themen haben unsere Leser ihre ganz eigene Ansicht. Lesen Sie hier unsere Leserbriefe oder verfassen selber einen! »

Sie suchen einen Artikel?

Hier gehts zum Archiv! »