Von Montserrat Manke
Wesseling. Wir sollen uns nicht wundern, sagt Fredrik Erichsen. Und dann legt der Bornheimer Künstler los. Er fotografiert erst alle Anwesenden im Kubus, und dann rund um die drei mal drei Meter Holzkonstruktion herum. Und genau deshalb sollen wir uns nicht wundern. Denn später wird daraus eine Fotocollage, in der der Kubus sich öffnet und ins Endlose verschwindet.
Wir sind im Rathaus, bei der Präsentation von "Entdecke Wesseling", der Imagekampagne für Wesseling, die die Bürgerstiftung der Stadt zum Geschenk gemacht hat. Fünf Künstler - Markus Nischk, Michael VonFindt, Torsten Gripp, Harald Lülsdorf und Fredrik Erichsen - sind auf fotografische Wesseling Reise gegangen und tun dies auch noch bis Dezember.
Sie fangen die Stadt am Rhein durch ihre Linsen ein und verfremden die Bilder anschließend - jeder auf die ihm eigene Weise (Infos: www.daswesselingprojekt.wordpress.com). Dazu gibt es Wesselinger Geschichten, die der Arzt Stephan Rodtmann selber erzählt, von den Bürgern "einsammelt", bei der Bearbeitung hilft, diese aufschreibt und "online" stellt und darüber hinaus ein Buch mit den Anekdoten vorbereitet. Die Geschichten - teilweise auch zum hören findet man hier: www.komma-rhein.de.
Einen ersten prominenten Botschafter konnte die Bürgerstiftung für die Sache schon gewinnen, weitere sollen folgen: Im Rathaus wurde Prof. Dr. Otmar Biebel, seines Zeichens an dem weltweit einzigartigen Teilchenforschungsprojekt "Cern" beteiligt, zum Botschafter der Bürgerstiftung ernannt. Der ehemalige Wesselinger Absolvent des Käthe Kollwitz Gymnasiums lebt und lehrt in München, und er soll die Botschaft Wesselings nach außen tragen.
Nach der Verleihung der Urkunde stellt sich im Gespräch mit
dem sympathischen Wissenschaftler allerdings heraus, dass der
konkrete Weg der "Botschaft" noch gefunden werden muss.
Ich frage ihn, ob er denn bei der nächsten Vorlesung seinen
Studenten von Wesseling berichten will, und er schmunzelt:
"Nein, das sicher nicht".
Aber bei diversen Vorträgen vor beispielsweise chemisch interessiertem Publikum, dort ließe sich was machen, sagt er. Gefragt, ob er sich seinen neuen Titel auch auf die Visitenkarten drucken lassen will, antwortet er geschickt: "Wissen Sie, ich bin ein sparsamer Mensch, ich drucke meine Visitenkarten selbst."
Bürgermeister Hans-Peter Haupt jedenfalls war seine Begeisterung über die geschenkte Kampagne anzumerken, doch eine Aktion ist ja auch immer nur so gut, wie sie nach außen getragen wird. Im Dezember jedenfalls werden die Künstler ihre Fotos in Wesseling ausstellen. Und danach könnten sie auf Reisen gehen, erst mal in die Partnerstädte, aber vielleicht auch noch ganz woanders hin.
Und die Stadt? Was macht die Stadt nun mit ihrer geschenkten Kampagne, für die man in der freien Wirtschaft ordentlich Geld bezahlen müsste? "Das war doch erst der Startschuss", sagt mir der Bürgermeister auf spätere telefonische Nachfrage. Sicher müsse man das alles nach außen transportieren, und genau dafür würde eine Art "runder Tisch" gebildet, bei dem auch das Kulturamt mit im Boot sitze, die Bürgerstiftung und andere relevante Personen.
Haupt zeigt sich zuversichtlich, dass die auf zwei Jahre angelegte Kampagne gut ankomme, und der Bürgermeister ist stolz auf die Bürgerstiftung und die Künstler, die Wesseling so unterstützen, gerade in den schwierigen Zeiten, die zur Zeit durch die finanzielle Lage zu meistern seien: "Aber ist ein Phänomen in Wesseling überhaupt. Wir erfahren so viel Hilfe, alleine durch die Aktion Zieh mit für Wesseling. Es hört sich immer so an, als wenn die Wesselinger nichts tun würden, und nur darauf warten würden, dass die Stadt etwas für sie mache. Das ist aber überhaupt nicht so", sagt der 43-Jährige.
Bitte lesen Sie auch hier:

















