Ehrenfeld (mp). Rund um das Ehrenfelder Wahrzeichen kursiert eine liebevolle Anekdote: Der Legende zufolge soll der imposante Leuchtturm des ehemaligen Industrieunternehmens Helios ursprünglich für Sansibar bestimmt gewesen sein. In einem Vertrag von 1890 trat Kaiser Wilhelm II. koloniale Ansprüche des deutschen Reiches auf Sansibar aber an das britische Empire ab, um dafür Helgoland zu erhalten.
Ab 1891 wurden alle an der Nordsee elektrifizierten Leuchttürme von der 1885 gegründeten "Helios-Actiengesellschaft für elektrisches Licht und Telegraphenbau" errichtet. Sansibars Hafen besaß bereits einen Leuchtturm. Warum wurde also weit von der Meeresküste entfernt im erst seit 1888 nach Köln eingemeindeten Ehrenfeld ein Leuchtturm errichtet? Dieser Frage ging Dr. Werner Schäfke im Rahmen seiner Recherchen zu seinem jetzt im Emons Verlag erschienenen Buch "Helios. Ein Leuchtturm für Ehrenfeld" nach. Sein Fazit: "Aus reinen Show-Business-Gründen." Der Leuchtturm wurde von Anfang an allein zu Werbezwecken erbaut. Er überragte ein anfangs ungewöhnlich erfolgreiches Unternehmen der Elektroindustrie mit Niederlassungen in ganz Europa. Durch risikobehaftete Finanzierungsmodelle und Spekulationen erlitt das Unternehmen in der Wirtschaftskrise allerdings um 1900 "Schiffbruch". Nach zahlreichen Prozessen und persönlichen Auseinandersetzungen endete die Geschichte 1905 in der Auflösung der Gesellschaft. Schäfke ging in seiner unter anderem vom Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWW) unterstützten Quellenforschung auch der Rolle des umstrittenen Technischen Direktors des Helios-Unternehmens, Carl Theodor Coerper (1850-1903), nach. Der setzte sich nach dem Helios-Zusammenbruch in seine Unkeler Villa Coerper am Rhein ab. Das Werk ist darüber hinaus reichlich mit zeitgenössischen Industriefotografien illustriert.


