Kalk (sf). "Hier besitzt Kalk einen großen Schatz", erklärt Eberhard Becker, Vorstandsmitglied der Geschichtswerkstatt und deutet auf die Glasfenster in der St. Marienkirche. Insgesamt 205 Quadratmeter beträgt die Fläche der Verglasung im Chor, im Kirchenschiff und über den Nebeneingängen.
Die Motive erzählen von "Maria in der
Heilsgeschichte", so das Thema, mit dem sich Georg Meistermann
auseinandergesetzt hat, als er den zehnteiligen Glasfensterzyklus
im Jahr 1965 entwarf. Einen Einblick in das Leben dieses
außergewöhnlichen Künstlers bot die
Geschichtswerkstatt Kalk in einer gut einstündigen
Präsentation - natürlich an keinem anderen Ort als der
St. Marienkirche selbst.
Anlass für die Präsentation war der 100. Geburtstag
Meistermanns, der im Jahr 1911 in Solingen das Licht der Welt
erblickte. Das Leben, das Meistermann führte, war sehr
abwechslungsreich und zeugte von großer Kreativität: Als
Maler, Grafiker und Professor an den führenden
Kunsthochschulen des Landes war er bekannt, besonders berühmt
wurde er jedoch als Glasmaler für Kirchenfenster. Während
der NS-Zeit erhielt er Ausstellungsverbot und stand auf einer
schwarzen Liste.
Den ersten größeren Auftrag erhielt Meistermann 1949, als
er das Angebot bekam, fünf Fenster in der Kirche
St. Markus in Wittlich zu entwerfen. Nach diesem Auftrag ließ
der weitere Erfolg nicht lange auf sich warten: Schnell hatte sich
Meistermann in Künstlerkreisen einen Namen gemacht, Anfang der
50er Jahre war er bereits einer der größten
Glaskünstler im Land. In den folgenden Jahrzehnten war
Meistermann so aktiv, dass er bereits in den 1980er Jahren zu den
bedeutendsten Glasmalern des 20. Jahrhunderts zählte.
Bis zu seinem Tod im Jahr 1990 hat er weit über 100
Glasfenster an rund 250 Orten in Europa gestaltet. In
Köln hat Meistermann die Glaswand im WDR-Gebäude, das
"Geschichtsfenster" für den Spanischen Bau des
Rathauses und die Glasfenster in den Kirchen St. Columba und St.
Gereon geschaffen. In Kalk wirkte Meistermann nicht nur in der St.
Marienkirche, sondern auch in der Wallfahrtskapelle.
Neben dem Vortrag von Eberhard Becker über das Leben
Meistermanns bekamen die Besucher auch einen digitalisierten Film
zu sehen, der die Entstehung von bleiverglasten
Fenstern zeigte und im Jahr 1965 von Kalker
Hobbyfotografen gedreht wurde. Ebenfalls sehr interessant war eine
Präsentation, die das Wirken der Fenster auf die
Lichtverhältnisse in der Kirche demonstrierte: Hierzu hatte
die Geschichtswerkstatt an einem Morgen 75 Minuten lang den
Einfall des Sonnenlichts gefilmt und das Material auf 42 Sekunden
zusammen geschnitten.
Die Geschichtswerkstatt Kalk ist ein eingetragener Verein, der sich
intensiv mit der Vergangenheit seines Veedels, insbesondere der
Aufarbeitung der Kalker Industriegeschichte, auseinandersetzt.
"Für das kommende Jahr werden wir ein neues Thema
bearbeiten", erzählt Dieter Reinberg. "Eventuell
machen wir etwas über "Kalker Köppe",
ergänzt Vorstandsmitglied Karl-Heinz Fuchs.


