Ehrenfeld (sf). Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und abwechslungsreiche Performances, der Hochbunker in der Körnerstraße ist seit über 20 Jahren ein sehr begehrter Veranstaltungsort der Ehrenfelder Künstlerszene.
Doch jetzt ist die Zukunft der Kultur- und
Erinnerungsstätte ungewiss: Der Eigentümer des
Hochbunkers, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA),
beabsichtigt, den Bunker zu verkaufen. In der Vergangenheit wurden
nämlich große Teile des Gebäudes der
Berufsfeuerwehr für Zivilschutzzwecke überlassen. Diese
werden heute jedoch nicht mehr benötigt.
Errichtet wurde der Hochbunker während des Zweiten
Weltkrieges neben der 1943 zerstörten Ehrenfelder Synagoge.
Heute steht er unter Denkmalschutz. Viele der Künstler, die
den Hochbunker nutzen, setzen sich in ihren Arbeiten mit der
Zeitgeschichte auseinander.
Mehrere dieser Künstler haben sich nun zu einer Initiative
zusammengeschlossen. Sie setzen sich für den Erhalt des
Bunkers als Kultur- und Erinnerungsstätte ein und appellieren
an die Stadt, den Hochbunker zu erwerben. In der vergangenen
Sitzung der Ehrenfelder Bezirksvertretung haben die Mitglieder der
Initiative Bezirksbürgermeister Josef Wirges eine Liste mit
914 Unterschriften für den Erhalt des Bunkers überreicht.
"Es gibt nur noch wenige Gebäude mit einem Ambiente, in
dem eine künstlerische Auseinandersetzung mit der
Zeitgeschichte möglich ist", erklärte
Jürgen Raap, Sprecher der Initiative zum Erhalt des
Hochbunkers. Insbesondere unter jungen Künstlern gebe es ein
großes Interesse, sich in einem historischen Gebäude mit
der Geschichte des Ortes auseinander zusetzen. Zudem betonte
Raap, dass Ehrenfeld das Veedel mit der höchsten Zahl
ansässiger Künstler in Köln sei. Leider stünden
den Künstlern hier aber viel zu wenig Räume bereit.
"Es besteht Einigkeit darüber, wie wichtig dieses
Gebäude als Erinnerungsort ist", erklärte Max
Baumann (Bündnis 90/ Die Grünen) mit Zustimmung aller
Fraktionen. Die Lokalpolitiker forderten daher die Stadt
geschlossen auf, den Hochbunker als Mahnmal und als
Kulturort zu erhalten und mit der BIMA in Kauf- oder
Mietverhandlungen zu treten.
CDU-Fraktionsmitglied Dr. Carl Barthel nahm nicht an der Abstimmung
teil: Er befürworte zwar eine Unterstützung der
Künstler, bezeichnete den Hochbunker aber als "Sinnbild
des erlebten Schreckens" und sprach sich aufgrund
persönlicher Erfahrungen und Erinnerungen aus der Kindheit
gegen dessen Erhalt aus.
Da die BIMA den Hochbunker an den Höchstbietenden
verkaufen wird, ist noch vollkommen ungewiss, in wessen
Besitz das Gebäude gelangen wird. Noch während der
Sitzung der Bezirksvertretung erklärte das
Liegenschaftsamt, dass man mit der BIMA Kaufverhandlungen aufnehmen
werde. Um den Erhalt des Kulturbunkers in naher Zukunft
erst einmal zu sichern, sei auch ein vorübergehender
Mietvertrag nicht ausgeschlossen. "Ich bin optimistisch,
dass wir zu einer Lösung kommen", erklärte
Bezirksbürgermeister Josef Wirges.


