Schatten aus dem Munde

Studiobühne führt "Die Sonne auf der Zunge" auf

Innenstadt (ha). Das war nicht einfach. Das Gesichtsstudium der Besucher in der fast ausverkauften Studiobühne stellte sich mitunter ebenso interessant und facettenreich wie das dargebotene Stück "Die Sonne auf der Zunge" dar. 

Von weit aufgeschlagenen Augen bis hin zum mit den Händen bedeckten Antlitz gereichte das Spektrum der Körpersprache vor der Bühne. Auch das vorzeitige Verlassen des Saals dürfte mit der höchst unkonventionellen Produktion zusammen- hängen. Dennoch wäre es falsch, aus diesen Signalen ein negatives Resümee abzuleiten. Im Gegenteil, Kunst darf natürlich provokant sein und sollte interpretierbar bleiben.
Die Produktion des "A.Tonal.Theaters " unter der Regie von Jörg Fürst gleicht einem fiebrigen Soundtrack, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einem hypnotischen Stelldichein zusammenfügt. Alexa Limbach, Andrea Köhler und Christine Stienemeier gelingt als Darstellerinnen eine stimm- sowie ausdrucksstarke Drillingsperformance, die den Raum mit mystischer Aura füllt. Unterstützt von den Musikern Angela Koppenwallner (Cemballo) und Norbert Rodenkirchen (Flöte, Tasteninstrumente) sowie multimedialen Effekten, kann der Besucher dem Stück aus der Feder von Werner Fritsch kaum entkommen.
Dabei führt der Autor die Begegnung von drei Frauenfiguren aus der griechischen Sage, dem KZ Ausschwitz und dem New York des 11. September 2001 an den Rand des Verstandes und darüber hinaus. Die Zeit spielt letztendlich keine Rolle mehr, wenn die Hoffnung auf mehr Licht die Finsternis (temporär) besiegt.
Als die "Möglichkeit von Utopie im Zeitalter nach den Utopien" wurde die Aufführung im Vorfeld angekündigt. Wer sich dem betörenden Rhythmus der Stimmen, Klänge, Bewegungen und Bilder hingeben kann, mag eine Ahnung von diesem Vorsatz nicht nur erhaschen, sondern förmlich auf der Zunge schmecken.

Termine: Studiobühne Köln, Universitätsstraße 16a, 50937 Köln:

27. Januar, 20 Uhr,

28. Januar, 19 Uhr,

29. bis 31. Januar, 20 Uhr, Ufa-Filmpalast, Hohenzollernring 22-24, 50672.

Infos unter Telefon: 0221/9854530, E-Mail: post@atonaltheater.de .

Letzte Änderung: Donnerstag, 29.12.2011 10:11 Uhr

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