Fund aus der "Judengasse"

Rituelles Handwaschgefäß aus der ersten Frechener Synagoge entdeckt

Frechen (lk). Der Frechener Denkmalbeauftragte und Historiker Egon Heeg entdeckte unlängst bei der Besichtigung der privaten Keramiksammlung von Gerd Steinmetzer ein einst benutztes Gefäß, das er eindeutig der ersten Frechener Synagoge, die bis um 1800 in der Josefstraße stand, zuordnen konnte.
Es handelt sich um ein sogenanntes "Aquamanile", ein rituelles Handwaschgefäß, das in dieser besonderen funktionellen Ausführung früher nachweislich in Synagogen benutzt wurde.
Die Tatsache, dass dieses Gefäß, wie Heeg belegt, exakt an der Stelle gefunden wurde, wo sich dieses jüdische Bethaus einst befand, ist ein Beleg dafür, dass es dort als rituelles Waschgefäß benutzt worden ist, bis es beschädigt und daraufhin vergraben wurde.
Gerd Steinmetzer überließ Egon Heeg spontan dieses Gefäß zur angemessenen Eingliederung in die von ihm konzipierte Ausstellung zur Geschichte der Frechener Juden.
Die Frechener Josefstraße hieß früher "Judengasse". Sie hatte diesen Namen, weil dort einst die erste Frechener Synagoge gestanden hat. Sie war die Vorgängerin der 1803/04 errichteten neuen Synagoge an der Hauptstraße 84, deren restaurierte Eingangstür im Stadtarchiv betrachtet werden kann.
Für die erste Synagoge in der sogenannten "Judengasse" gab es hingegen bisher keinen Gegenstand als Beleg.
Heeg kam bei der Besichtigung des Fundstücks und bei seinen anschließenden Recherchen zu folgendem Ergebnis: Das "Aquamanile" aus der Sammlung Steinmetzer ist kein Fehlbrand, sondern ein beim Gebrauch beschädigtes und dann vergrabenes, salzglasiertes Steinzeuggefäß. Es ist zwar recht schmucklos, aber mit Blick auf seine Funktion auffällig gestaltet: Denn es hat zwei Henkel zum Aufhängen und insbesondere zwei Ausgusstüllen.
Durch Zufall konnte Heeg die Fundgeschichte exakt nachvollziehen: Das "Aquamanile" wurde 1969 bei "privaten Ausgrabungen" im Zuge der Erschließungsarbeiten des Kaufhalle-Gebäudes (heute C&A) im Bereich der Frechener Josefstraße gefunden; jedoch nicht in den dortigen riesigen Scherbenlagern des 16./17. Jahrhunderts, sondern als völlig isolierter Einzelfund. Aufgrund seiner topographischen Forschungen erkannte Heeg, dass die Fundstelle auf einem Hofgrundstück lag, das im 18. Jahrhundert in jüdischem Privatbesitz war. Es gehörte dem "Muschel Samuel", dem Spross einer alteingesessenen führenden jüdischen Familie Frechens. Da im Nahbereich der Josefstraße keine weitere jüdische Hofanlage existierte, muss sich folglich auf diesem Grundstück bzw. in diesem Gebäudeensemble die erste Synagoge befunden haben, in der das hier gefundene Aquamanile benutzt worden ist. "Diese erste Synagoge war mit Sicherheit nur ein bescheidener Gebäudeteil im Hinterhausbereich", ist Heeg überzeugt. Der Denkmalbeauftragte freut sich über Einzelfundstück, da es das einzige noch erhaltende "greifbare" Belegstück für die Synagoge ist. Heeg: "Es ist ein kunsthistorisch unbedeutender, aber ein für die Frechener Orts- und Religionsgeschichte äußerst wertvoller Fund. Die schlichte Einfachheit des Gefäßes entspricht im Übrigen der Bescheidenheit dieses ältesten jüdischen Sakralbaus in Frechen".

Letzte Änderung: Dienstag, 03.01.2012 10:12 Uhr

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