Kölner Norden (hub). Bei der letzten von vier Bürgeranhörungen zum Einzelhandel- und Zentrenkonzept (EZK) staunte Bezirksbürgermeisterin Cornelie Wittsack-Junge nicht schlecht. "Aus der Erfahrung der ersten Veranstaltungen hatten wir nur dreißig Plätze bereit gestellt", so Wittsack-Junge.
Letztendlich fanden rund hundert Personen den Weg ins Gymnasium
Pesch.
Was die Vertreter aus der Stadtverwaltung in der Veranstaltung
erlebten, war ein Sturm der Entrüstung.
Hintergrund des vorliegenden EZKes ist ein Beschluss des
Wirtschaftsausschusses vom Mai 2005, dass "Köln als
Einkaufsstadt gewinnen" soll. Außerdem soll
Leerständen entgegengewirkt werden und die
fußläufige Grundversorgung der Bevölkerung gesichert
sein. Ende 2010 hatte der Stadtentwicklungsausschuss beschlossen,
dass an den Beratungen neben den Bezirksvertretungen auch die
Bürger zu beteiligen seien. Die Bezirksvertretung Chorweiler
beschloss daraufhin, vier dezentrale Veranstaltungen anzubieten, da
die Lagen im Stadtbezirk sehr unterschiedlich sind.
Für das EZK wurden über 25000 Betriebe in der ganzen
Stadt erfasst. Zur Nahversorgung zählen Lebensmittel und
angegliederte Handwerke wie Bäcker, Metzger und Drogeriewaren
sowie Apotheken. Der Rat hatte zusätzlich für Köln
noch Blumen, Schreib- und Papierwaren und Zeitungen als
nahversorgungsrelevant eingestuft. Das Nahversorgungszentrum (NVZ)
soll in 700 Metern fußläufig erreichbar sein. In seinem
Umkreis darf keine Konkurrenz entstehen.
Die Mitarbeiter des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik
hatten nun für den Bereich Auweiler und Esch einen Mangel an
Nahversorgung festgestellt und in den Plänen gegenüber
des Sportplatzes an der Auweiler Straße ein NVZ vorgesehen.
Dagegen gab es am besagten Abend in Pesch Proteste, so wurden
Befürchtungen geäußert, der vorhandene Supermarkt im
Norden von Esch könnte in das NVZ umsiedeln, so dass dann
insgesamt eine schlechtere Versorgung gegeben sei.
Eine andere Besucherin erkundigte sich nach dem
Landschaftsschutzgebiet. Die Stimmungslage unter den Besuchern war:
"Wir brauchen in Auweiler und Esch dieses NVZ nicht."
"Wer nach Auweiler und Esch zieht, weiß, dass er auf dem
Land wohnt und ein Auto braucht, um einzukaufen", so eine
Besucherin. "Statt eines NVZ brauchen wir eine bessere
Busanbindung", war die Meinung eines anderen Teilnehmers.
Ein anderes Problem gibt es in den Rheindörfern und
Fühlingen: Hier wohnen zu wenige Personen, damit ein
Discounter oder Supermarkt wirtschaftlich betrieben werden kann.
Aber es gibt zum Beispiel in den Rheindörfern einige
Hofverkäufe und als Sofortmaßnahme hat die Stadt
Köln einen rollenden Supermarkt beauftragt, der dort nun
zumindest einmal pro Woche Ware verkauft.
Einige Besucher hatten Probleme damit, dass das Konzept nur die
Nahversorgung betrachtet. "Ein umfassendes Konzept ist auch
für eine Stadt Köln nicht zu leisten", so Dr. Marc
Höhmann, Leiter Struktur- und Technologieförderung. Die
Kosten für das Konzept seien schon jetzt immens. Nur für
den Stadtteil Lindweiler gibt es ein umfassendes
Entwicklungskonzept, das zum Beispiel auch die ärztliche
Versorgung und die sozialen Angebote beleuchtet.
Die Protokolle werden in Kürze auch auf der städtischen
Internetseite veröffentlicht und Anfang 2012 wird das Thema
erneut in der Bezirksvertretung beraten. Mehr Informationen unter
www.stadt-koeln.de/4/
stadtentwicklung/einzelhandelskonzept


