Es schmerzt, nicht mehr malen zu können

Herbert Schuffenhauer wurde 101 Jahre alt

Longerich (hub). Vor 101 Jahren wurde Herbert Schuffenhauer in Nippes geboren, noch zu Zeiten des letzten deutschen Kaisers. Am Leipziger Platz habe er das Laufen gelernt. 

"Das war noch eine Zeit, als die Kinder noch auf der Neusser Straße spielen konnten", weiß Schuffenhauer zu berichten, "die Autos fuhren um die Kinder he­rum."
An der Kölner Werkschule lernte er Keramik, nutzte dort aber die Möglichkeit, auch in andere Klassen hineinzuschauen. Bei seiner Tätigkeit fertigte er viele Arbeiten an, wie zum Beispiel eine bronzene Tür für die Altkatholische Kirche oder Glasfenster für die Johanniskirche in Deutz. Aber er schrieb auch Gedichte und gründete 1959 den Kirchenchor der Immanuelgemeinde. Doch nun trifft man den rastlosen Künstler im Rollstuhl an. Seit seinem Schlaganfall im April 2010 kann er nahezu nichts mehr sehen.
"Ich sehe nur noch alles schwarz - das ist der größte Schmerz für mich", so der Künstler. Auch das Hören fällt ihm schwer. Kurz zuvor im Feb­ruar 2010 hatte er noch eine Ausstellung bei der evangelischen Gemeinde in Pesch. Doch nun ist er auf die Hilfe seiner Tochter angewiesen, und das Einzige, was ihm bleibt, ist das Diktieren von Gedichten, die seine Tochter dann zu Papier bringt. Selbst sein Haus hatte er früher selbst gebaut.

Es ist das einzige rückwärtig gebaute Haus in der Straße und das erste, das damals nördlich der Gartenstadt-Nord erbaut wurde. Herbert Schuffenhauer berichtet: "Die von der Stadt konnten sich nicht entscheiden, wo das Haus hin soll - nach vorne oder nach hinten. Da habe ich eben entschieden, das Haus nach hinten zu bauen."
Zur Straße hin gibt es eine Vitrine, in der ein Bild mit einem surrealistischen Motiv zu sehen ist. In der Eifel bei Blankenberg entstand das Bild, das eine Landschaft zeigt. Beim Malen erschienen Schuffenhauer vor seinem geistigen Auge architektonische Teile, so fügte er in das Bild eine römische Mauer ein.
Als nun ein Bauer vorbeikam, überlegte der Künstler, wie er ihm dies erklären könne. Der Bauer jedoch meinte: "Kein Wunder! Sie stehen auf einer römischen Straße."
Mit diesen Worten kratzte der Bauer das Gras beiseite, und tatsächlich kamen römische Pflastersteine zum Vorschein, erinnert sich Schuffenhauer.

Letzte Änderung: Donnerstag, 12.01.2012 15:45 Uhr

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