Lind (sr). Der 3. März 2009 wird als Schwarzer Tag in die Stadtgeschichte eingehen. An dem Tag stürzte das Stadtarchiv ein, viele Dokumente tauchten ins Grundwasser, manches ging ganz verloren.
Mit großen LKW wurden damals die Dokumente mitsamt dem
Schutt in die freie Halle des porta-Möbelgeschäfts im
äußersten Südosten gebracht, wo noch heute
restauriert und digitalisiert wird. Viele freiwillige Helfer
retteten jeden noch so kleinen "Zettel" aus den
Schuttbergen. Inzwischen konnte die Stadt mit einer Erfolgsquote
von 95 Prozent die Bergung der Archivalien abschließen.
Bis alles restauriert und digitalisiert ist, wird es noch
mindestens 30 Jahre dauern, so Pressesprecher Frank Neweling.
Allerdings sind bereits so viele Dokumente wieder in einem
gesicherten Zustand und katalogisiert, dass sich die Stadt
entschied, einen Lesesaal zu eröffnen. So kann ab sofort in
über 600 Urkunden aus er Zeit von 922 bis 1815 Einsicht
genommen werden. "Von 1.800 Handschriften, die das Historische
Archiv vor dem Einsturz besaß, können ab heute ebenfalls
50 bis 60 wieder zur Verfügung gestellt werden", so Dr.
Bettina Schmidt-Czaia (Leitene Archivdirektorin). Warum es für
die Forscher so wichtig ist, mit Originaldokumenten zu arbeiten,
erläuterte Eva Büthe, wissenschaftliche Mitarbeiterin des
Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn, sehr
überzeugend. Sie sucht für ihre Doktorarbeit nach
Dokumente, die der Kölner Stadtschreiber Gerlach vam Hauwe
geschrieben hat. Dabei ist für sie die Buchstabenform, die
Linienführung, die Art, wie ein Punkt gesetzt wurde von
Interesse. "Man weiß nie genau, ob da jetzt auf dem
Original wirklich ein Punkt ist, oder ob Dreck mit eingescannt
wurde."



