Singen ist nicht nur Singen

Die Singpaten besuchen die Kindertagesstätten einmal in der Woche

Chorweiler. Wenn das "Häs­chen in der Grube" krank ist, kauern die Kinder der Kindertagestätte Neißestraße auf dem Boden, wenn es wieder hüpfen darf, springen sie fröhlich durch den Gemeinschaftsraum.

Mitten unter ihnen sechs Menschen im besten Großelternalter: Auch sie machen das Spiel mit vollem Körpereinsatz mit, aber vor allem singen sie: Nach "Häschen in der Grube" geht es weiter mit dem Klassiker "Schornsteinfeger ging spazieren".
Auch hier ist Körpereinsatz gefragt, wenn der Schornsteinfeger mit seiner Liebsten flüchtet. Gesungen wird trotzdem eifrig, aber kein Kind muss seine Rolle alleine singen, sondern wird durch die Gruppe getragen. Nach ein paar ruhigen Übungen ist die Singstunde wie im Fluge vorbeigegangen, und viele Kinder knuddeln ihre Lieblings-Singpaten zum Abschied.
Anne Wiese, Edith Meven, Loni Jansen, Siegbert Worring, Eva Dorfeld und Stephanie Harzdorn besuchen die Kita einmal wöchentlich. Einfach nur Singen könnten die Kinder eigentlich auch mit ihren Erzieherinnen. "Singen ist nicht einfach nur singen", weiß jedoch Annika Gisder, Erzieherin in der Kita, in der rund 95 Prozent der 73 Kinder einen Migrationshintergrund haben. "Es bedeutet auch Lernen und kognitive Fähigkeiten".
Gesungen wird natürlich auch im Kita-Alltag, aber die Singpatengruppe bringt viele traditionelle deutsche Volkslieder mit, die die Kinder vorher nicht kannten.
Von der altersgemischten Canto-Gruppe profitieren alle: "Wenn diese Kinder beim Basteln sitzen, wollen sie die Canto-Lieder singen, und alle anderen singen lauthals mit", ist Gisders Erfahrung. Auch Kita-Leiterin Brigitte Wolff freut sich über den Besuch der Canto-Singpaten, weil es für die Kinder eine zusätzliche Sprachförderung bedeutet.
Ein Kinderchor, in dem es um konzertreifes Singen ohne falsche Töne oder Textpatzer geht, ist die Canto-Gruppe deswegen nicht. Stattdessen erleben die Kinder spielerisch die Kraft von Gesang, Musik und Sprache. "Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen" war sich schon der Geiger Yehudi Menuhin, einer der Schirmherren des Trägervereins "Il Canto del Mondo", sicher. Gisder stellt vor allem fest, dass das gemeinsame Singen von Kindern unterschiedlichen Alters ihr Sozialverhalten verbessert.
Gemeinsames Singen bringt auch Senioren mit der übernächsten Generation in Kontakt. Alle Singpaten in Chorweiler haben unterschiedliche Gründe für ihren Einsatz: "Ich singe gerne und ich arbeite gerne mit Kindern", weiß Anne Wiese. "Hier möchte ich etwas von meinen Fähigkeiten weitergeben".
Siegbert Worring erinnert sich dagegen gerne daran, wie er als Junge selbst die Lieder aus der "Mundorgel" sang. Vorbereitet wurden sie durch die Singpatenschulung von "Il Canto del Mondo e. V." Verstärkung, vor allem männliche, ist herzlich willkommen. Vor allem für Kindertagesstätten in Chorweiler, Nippes, Bilderstöckchen, Ossendorf, Buchheim und Mülheim werden noch Singpaten gesucht. Weitere Informationen unter www.cantoelementar.de





Letzte Änderung: Montag, 16.01.2012 08:58 Uhr

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