Rodenkirchen (sb). Trotz Dreigestirn, Tanz und Musik wollte beim diesjährigen Neujahrsempfang der Bezirksvertretung Rodenkirchen nicht richtig Stimmung aufkommen.
Denn nachdem Bezirksbürgermeister Eberhard Petschel die Gäste im Rodenkirchener Gymnasium begrüßt und einen Rückblick auf das Jahr 2011 gegeben hatte, erklärte er überraschend seinen Rücktritt: "Ich habe mir das lange überlegt. Ich habe das Amt mit viel Engagement und Freude ausgeübt und mich stark für Transparenz und Bürgerbeteiligung eingesetzt. Aber wenn man gleichzeitig berufstätig ist und sehr hohe Ansprüche hat, dann ist die Tätigkeit sehr zeit- und kraftraubend. Man betreibt Raubbau an seiner Gesundheit", erklärte Petschel. Er legte dar, dass er seine Stelle als Physiklehrer am Rodenkirchener Gymnasium stundenmäßig reduziert und dafür finanzielle Einbußen in Kauf genommen habe. Dennoch, so Petschel, hätten durch seine intensive ehrenamtliche Tätigkeit seine Arbeit als Lehrer und seine Schüler gelitten. "Dies ist kein Scheitern meiner Politik oder der Politik von Rot/Grün. Das ist eine rein persönliche Entscheidung", betonte er.
Er werde sein Amt Ende Januar niederlegen, aber in der
Bezirksvertretung bleiben, kündigte er an.
Die Erklärung des grünen Bezirksbürgermeisters, der
sich seit 17 Jahren als Lokalpolitiker engagiert, kam für die
meisten Gäste - einschließlich seiner
Bezirksvertreter-Kollegen -überraschend. Manfred Giesen
(Grüne) sprach von einem traurigen Moment und bedankte sich im
Namen aller für die geleistete Arbeit. Auch Mike Homann (SPD)
bedauerte den Rücktritt: "Eberhard Petschel hat einen
sehr guten Job gemacht, sein Rücktritt ist ein Verlust
für Rodenkirchen."
Auch die CDU-Vorsitzende und stellvertretende
Bezirksbürgermeisterin Monika Roß-Belkner wurde mit
dieser Nachricht auf dem Neujahrsempfang überrascht: "Wir
danken Eberhard Petschel für seine Arbeit, respektieren aber
seine Entscheidung."
Für Karl-Heinz Daniel (FDP) sei der Rücktritt nicht ganz
so unerwartet gekommen: "Dennoch bedauern wir das. Wir haben
gut zusammengearbeitet." Reiner Lindlahr war als
Bürgeramtsleiter zwar informiert, hatte die Entwicklung aber
nicht erwartet. "Wir haben zwei Jahre gut und vertrauensvoll
zusammengearbeitet. Die Gesundheit hat aber Vorrang. Die
ehrenamtliche Tätigkeit als Bezirksbürgermeister neben
einem Beruf als engagierter Lehrer ist in der Tat eine
kräfteraubende Doppelbelastung", erklärte er.
Dem Präsidenten des Festkomitees der Alt-Gemeinde
Rodenkirchen, Martin van Duiven, kam dann die Aufgabe zu, ins
karnevalistische Programm überzuleiten. Den Anfang machten die
Kapelle Jonge aus Weiß, mit denen Mike Homann, Monika
Roß-Belkner und Eberhard Petschel ein Tänzchen auf der
Bühne wagten. Es folgten Auftritte des Dreigestirns der
Alt-Gemeinde, der Playbacks und der "Pänz us dem ahle
Kölle".
In der Sitzung am 30. Januar wird in der Bezirksvertretung
voraussichtlich ein neuer
Bezirksbürgermeister gewählt.


