Köln (mp). Wer wüsste nicht, dass die Jungfrau im Kölner Dreigestirn traditionell ein Mann ist? Ganz anders im Gastspiel 2012 der Bühnengemeinschaft Cäcilia Wolkenburg des Kölner Männer-Gesang-Vereins im Kölner Opernhaus.
Schon der Titel des Divertissementchens "Kölner
Jungfrau - dringend gesucht !" lässt aufhorchen. Bei
dieser letzten Aufführung in der Oper, ab 2013 wird im Musical
Dome gespielt, gerät das Bühnengeschehen zum Augen- und
Ohrenschmaus. Ein wahrhaft phänomenales Bühnenbild
besonders beim Benefizball in der Flora, eine große
schauspielerische Leistung der in allen männlichen und
weiblichen Rollen mit Männern besetzten Darsteller, Ballett,
Tanz, Chor und die Bergischen Symphoniker im Orchestergraben gehen
eine prachtvolle Verbindung funkelnd von gekonntem Humor ein.
Zur Handlung: Die mittels eines Tricks frisch gewählte erste
Oberbürgermeisterin Köln Ulla von den Sinnen hat sich im
Siegesrausch völlig neue feministische Akzente im Karneval
vorgenommen. Frei nach dem Motto "Wo Jungfrau dropsteht, muss
och Jungfrau dren sin." Gesagt getan. Von 11.000 Jungfrauen
melden sich beim Casting nur 111, drei echte bleiben übrig.
Deren Auftritt ist aber eine große Pleite. Die Jury unter
Leitung der neuen OB ist entsetzt von den miserablen Leistungen.
Was tun? Der Sprachwissenschaftlerund Professor an der
Kölschakademie Jan op den Hippt schlägt in dieser Not die
wunderschöne Eleonore Pagensteert als Jungfrauenkandidatin
vor, die dem Maler Cajus Riepenhahn Modell steht. Beim Atelierfest
lernt die Jury diese junge Dame kennen. Alle sind hingerissen, bis
die den Mund aufmacht, denn dem entströmt lupenreines
Sächsisch. Wieder hat der Professor die rettende Idee. Bis zum
Zeitpunkt der Proklamation verspricht er einen
Kölsch-Nachhilfeunterricht, der sich gewaschen hat. Eleonore
aber ist eine schwierige Schülerin. Nicht nur dass der
Professor durch seine pädagogischen Bemühungen bald
besser Sächsisch spricht als seine in Lilli Schmitz umgetaufte
Schülerin Kölsch, nein, sie wird auch noch depressiv:
"Ich schaff das nie". Da tritt die die "kölsche
Mamm" Lotti op den Hippt mit ihren beiden Freundinnen auf den
Plan. Sie schließen Eleonore nach anfänglichem Misstrauen
ins Herz, wollen den Hagestolz Jan op den Hippt, der nur für
die Sprachwissenschaft lebt, mit dem sächsischen Mädche
verkuppeln und es der "Kölschen Sproch"
näherbringen.
Nachdem sich die Favoritin und Nichte der OB Trien bei der
Modenschau in der Flora hochschwanger unsterblich disqualifiziert
hat, überzeugt Eleonore alias Lilli mit ihrem Auftritt. Aber o
weh sie lehnt die ihr zugedachte Rolle im Dreigestirn ab und will
mit dem Malerfürsten Riepenhahn lieber nach Paris. Zum Schluss
jedoch gibt es ein kölsches Happy End sowohl für die
Jungfrauensuche als auch für den inzwischen in Eleonore/Lilli
verliebten Professor. Auf der Bühne regiert die Gloriole eines
Feuerwerks erster Güte.



