Einfühlsame Portraits von Obdachlosen

Michael Mohr präsentiert seine Ausstellung im "Gulliver"

Sürth (sb). Die Portraits ­von Michael Mohr rücken Menschen in den Mittelpunkt, die in der Regel nicht allzu intensiv und interessiert angesehen werden. Über 200 Obdach­lose zeichnete der Sürther Maler im vergangenen Jahr. 

54 seiner Zeichnungen sind nun dort zu sehen, wo sie auch entstanden sind - im "Gulliver", der Überlebensstation für Obdachlose an der ­Hohenzollernbrücke. Meist zeigen sie Männer, junge wie alte, deutscher wie ausländischer Herkunft, mal im Profil, mal von vorne. "Es sind Momentaufnahmen", beschreibt Michael Mohr ­seine Zeichnungen. Die ­Künstlerin Elvira Reith, Kuratorin der Ausstellung "Köln wohnungslos gezeichnet", fasste bei der Eröffnung der Ausstellung die Besonderheit der Bilder zusammen: "Es gelingt Michael Mohr, einen kleinen Moment in die Seele der Menschen zu schauen."
Im Februar des letzten ­Jahres begann Mohr, an den Wochenenden regelmäßig für ­mehrere Stunden das "Gulliver" zu besuchen und dort die ­Besucher zu zeichnen. "Am Anfang gab es viel Skepsis. 'Du willst ja nur Geld mit unserem Kopf machen' hieß es oft", berichtete Mohr. Er konnte aber klarmachen, dass es ihm bei seinem Projekt nicht ­darum ging, die Portraits nachher teuer zu verkaufen. Danach ­zeigten sich die meisten "Gulliver"-Besu­cher sehr offen und ließen sich bereitwillig zeichnen. "Wenn man die Menschen ernst nimmt und sie anspricht, kann man eigentlich jeden erreichen", so Mohrs ­Erfahrung. Und dies spiegelt sich auch in den Bildern ­wider: Die Gezeichneten wurden ernst genommen. "Das hat viel mit Würde und Akzeptanz zu tun", erklärte Hannelore Bartscherer, Vorsitzende des Katholiken-Ausschusses Köln, die bei der Ausstellungseröffnung ebenso wie der evangelische Obdachlosenseelsorger Karl-Heinz Iffland Grußworte an die Besucher richtete.
Beim Zeichnen sprach Mohr mit den Obdachlosen auch "über Gott und die Welt". ­Dabei lernte er oft auch die Lebens­geschichten der Menschen kennen. Und die Portrai­tierten gaben Michael Mohr meist auch gleich ein Feedback, ob sie die Zeichnungen gut oder schlecht fanden. In der Regel gefielen ihnen die Arbeiten: "Ein schönes Lob war dabei, wenn sie mit anderen kamen und sagten: 'Hier, zeichne den auch mal'", erinnerte sich der Künstler. Viel Zeit hatte Mohr für die Zeichnungen dabei nicht. Die meisten Obdachlosen wollten nicht länger als eine Viertelstunde für ihn Modell sitzen. Darin sah Mohr aber keinen Nachteil. Insgesamt habe Kunst im ­Leben ­eines jeden Menschen eine Bedeutung. Und viele der Portraitierten hätten die Sitzungen genossen, schon aufgrund der ungewohnten Aufmerksamkeit und Zuwendung, die ihnen zuteil wurde, glaubt er. Einige waren von dem Projekt so angetan, dass sie selbst zu zeichnen begannen.

Michael Mohr, 1952 im Saarland geboren, hat an der Kölner Fachhochschule für Kunst und Design freie Malerei studiert. Seit 26 Jahren lebt er in Sürth. Seine Ausstellung mit dem Titel "Köln wohnungslos gezeichnet" ist bis zum 11. April werktags von 6 bis 13 Uhr und von 15 bis 22 Uhr sowie am Wochenende von 10 bis 18 Uhr im Gulliver (Trankgasse 20) zu sehen.

Letzte Änderung: Dienstag, 31.01.2012 15:05 Uhr

Blaulicht - Der Kölner-Polizeireport

Hier finden Sie die aktuellen Polizei- und Feuerwehrmeldungen aus Köln... »

Alle Titel im Großraum Köln/Bonn

Lernen Sie die weiteren Anzeigenblätter im Großraum Köln/Bonn kennen. »