Von Montserrat Micaela Manke
Wesseling. Genau um 18.24 Uhr am 17. November des Jahres 2009 greifen Manfred Rothermund (CDU) und Detlev Troppens (FDP) zu ihren Kugelschreibern und unterzeichnen im West Devon Room des Rathauses die Koalitionsvereinbarung für die nächsten fünf Jahre, in denen man gemeinsam dem Wählerauftrag nachgehen und die Geschicke der knapp 36 000 Einwohner zählenden Stadt am Rhein lenken will. Gleich vier Fotografen drücken auf den Auslöser, um diesen historischen Moment festzuhalten, und in die Öffentlichkeit zu transportieren.
Weitaus weniger medienwirksam ist das, was wenig später hinter verschlossenen Türe passiert, und was - so Bernd Pesch zweieinhalb Jahre später im Telefonat mit der Redaktion - als "sittenwidrig zum Nachteil Dritter" bezeichnet: Ein "geheimes" Zusatzpapier zum Koalitionsvertrag wird unterschrieben. Der Inhalt: Pesch habe nach zweieinhalb Jahren zurückzutreten, im Gegenzug bekomme die FDP das erneute Vorschlagsrecht für den stellvertretenden Bürgermeisterposten sowie das Vorschlagsrecht für die Nachfolge Bernhard Hadel. Denn dieser geht jetzt bald in den Ruhestand, und es gilt, einen attraktiven Dezernentenposten zu besetzen.
Aber warum das alles? Wir erinnern uns: 2009 ist das Jahr, in dem Günter Ditgens nach zehn Jahren als CDU-Bürgermeister erst von seiner Partei - nach massiven Eintritten in die Wesselinger CDU - bei der Kandidatenwahl nicht gewählt wird, dann als Parteiloser in den Wahlkampf zieht und knapp dem CDU Kandidaten und amtierenden Bürgermeister Hans-Peter Haupt unterliegt.
Einer, der während des ganzen Wahlkampfes zu Günter Ditgens hält, ist Bernd Pesch. Auch gegenüber unserer Redaktion sagte er damals frank und frei, dass er Ditgens schätze, und gerne weiter mit ihm zusammen arbeiten würde. Doch dazu sollte es ja nicht mehr kommen: Hans-Peter Haupt heißt der neue Verwaltungschef.
Wie in einer Koalition üblich, stellt die kleinere Fraktion den stellvertretenden Bürgermeister, und der sollte nach Wunsch der Liberalen natürlich Bernd Pesch heißen. Doch das schmeckt anscheinend Teilen der Union nicht, denn Pesch hätte sich im Wahlkampf auf Haupts Seite schlagen sollen: "Aber ich wollte und will auch heute noch in den Spiegel schauen können", so Pesch zur Redaktion. Zehn gute Jahre habe er mit seinem Freund Günter bestens zusammen gearbeitet, aber Pesch sagte damals auch, dass er sich mit Haupt eine gute Zusammenarbeit vorstellen könne.
Der Liberale erinnert sich im Telefonat an den Wahlabend: Im fernen Spanien habe er von seinem guten Ergebnis erfahren, nach Ralf Bombis holt Pesch mit knapp 30 Prozent der Stimmen in seinem Wahlbezirk das zweitbeste Ergebnis im Rhein-Erft-Kreis. Dank dessen habe man mit fünf Mann in den Rat einziehen können.
Einen Tag später telefoniert er erneut mit seinem Fraktionschef Detlev Troppens, und es wird klar, dass die CDU ihn, Pesch, nicht zum Vize haben will, aus oben erklärten Gründen. "Da haben wir uns erst Mal schlau gemacht, auf Kreis-, Landes- und Bundesebene. So etwas braucht man sich von seinem Koalitionspartner nicht vorschreiben zu lassen, das macht keiner", so Pesch.
Am Ende sei dann der geheime Zusatzvertrag bei all dem rum gekommen, den Bernd Pesch heute wie damals ablehne: "Ich habe damals schon gesagt, dass ist sittenwidrig, ich habe das nicht mit unterschrieben, und ich habe auch in der Fraktion dagegen gestimmt", sagt Pesch, der insgesamt 17,5 Jahre das Amt des Vizebürgermeisters in Wesseling ausübt. "Wir haben einen Wählerauftrag, der gilt für fünf Jahre. Und dazu stehe ich. Außerdem sollte bei einer Dezernentenstelle nicht das Parteibuch eine Rolle spielen, sondern einzig und alleine die Kompetenz".
Pesch indes sei damals von der eigenen Partei beschwichtigt worden: Die CDU würde sicher von der Maßnahme keinen Gebrauch machen. Machte sie aber doch: Als Bernd Pesch bei der jüngsten Fraktionssitzung von der Toilette zurück gekommen sei, habe ihm Troppens den Brief der CDU auf den Tisch gelegt, unterschrieben von Manfred Rothermund und Charlie Nahlen. Darin hätte - sinngemäß - gestanden, dass man jetzt wunschgemäß bestätigen würde, dass die FDP das Vorschlagsrecht für die Dezernentenstelle bekomme, wenn Pesch nun zurück trete.
Aber der denkt überhaupt nicht daran, sein Amt aufzugeben. Er sei vom Bürger gewählt, und zwar für fünf Jahre: "Der Vertrag ist sittenwidrig, ich habe mich erkundigt, er geht zu Lasten Dritter und ist nicht dem Rat der Stadt sowie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden".
Von seiner Partei sei er abgemahnt worden, aber mehr nicht, sagt Pesch. Und auch Detlev Troppens bestätigt, dass man weiter nichts tue, und zwar angesichts der enormen Verdienste von Bernd Pesch für die Wesselinger FDP. Damit hat die FPD aber auch ihren Wunschkandidaten bei der Besetzung der bald freiwerdenden Stelle verwirkt.
Pesch indes, der für seine Fraktion auch im
Personalausschuss sitzt, betont, dass er in dieser Sache "alle
Bewerbungen sehen will" und dann werde man sich für den
Besten entscheiden.

















