Aktion gegen den Leichtsinn am Steuer

"Crash Kurs NRW": Prävention soll Jugendliche vor Unfällen schützen

Sülz (cd). Bernd-Rüdiger Schwesig, der Schulleiter des Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasiums, richtete zum Auftakt der Präventionsveranstaltung "Crash-Kurs NRW" drastische Worte an seine Schüler: 

"Wir müssen alles tun, damitihr heil durch den Kölner Straßenverkehr kommt und Eure Jugend überlebt." Der "Crash-Kurs" gehört zu einer Kampagne der Kölner Polizei, bei der Jugendliche der elften und zwölften Jahrgangsstufe über die Entstehung und die Folgen von Verkehrsunfällen aufgeklärt werden. Das Konzept zog bereits weit über die Landesgrenzen hinaus die Aufmerksamkeit auf sich: So war am EvT auch eine Delegation der italienischen Verkehrspolizei zu Gast, der auch die Referentin des Europäischen Verkehrssicherheitsrates Francesca Poddo angehörte. Durch den "Crash-Kurs" führte Silke von Beesten, Verkehrssicherheitsberaterin bei der Polizei Köln. Innovativ ist der Kurs deswegen, weil er nicht auf Appelle an die Vernunft oder die Schockwirkung drastischer Unfallbilder setzt, sondern auf einen emotionalen Zugang zu den Schülern. Neben Bildern und Videos sorgen vor allem persönliche Geschichten von Unfallopfern für denkwürdige Anstöße aus verschiedenen Blickwinkeln. So berichtete Unfallchirurg Prof. Dr. Oliver Tobolski, wie er einen Kollegen operieren musste, und eine Angehörige der Abteilung Opferschutz und Opferhilfe erzählte von ihrer traurigen Pflicht, den Angehörigen von Unfallopfern die Todesnachricht zu überbringen. Mit Steffi Hengst erzählte auch eine Mutter, wie sie vor 20 Jahren ihre Tochter durch einen Verkehrsunfall verlor. "Obwohl es schon so lange her ist, schmerzt es noch immer so, als wäre es gestern gewesen", erzählte sie. Die Polizei Köln führt den "Crash-Kurs NRW" als eine von sechs Pilot-Behörden bereits seit dem Frühjahr 2010 durch. Seitdem war man an 34 weiterführenden Schulen im Kölner Raum zu Gast und konnte bereits 6.500 Jugendliche erreichen. Der Kurs zielt aber noch über die eigentlichen Teilnehmer hinaus. "Unser Ziel ist es, dass in jedem, mit Jugendlichen besetzten Auto mindestens zwei sitzen, die an dem Kurs teilgenommen haben", erklärt Silke von Beesten. Denn wenn sich zwei Mitfahrer dafür einsetzen, langsamer zu fahren, sind die Chancen sehr groß, dass sich der Fahrer überzeugen lässt. "Dies ist auch ein Grund dafür, dass wir die Veranstaltung auch für Schüler ab 16 durchführen", berichtet Silke von Beesten, "denn unserer Erfahrung nach haben die meisten 18-jährigen Führerscheinneulinge jüngere Freundinnen, die auf sie einwirken, vernünftig zu fahren." Inzwischen führen alle 27 Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen den "Crash-Kurs NRW" durch. Und Silke von Beesten hat sehr positive Erfahrungen gemacht. "Viele Schüler verzichten am nächsten Wochenende erst einmal auf den Alkohol. Und einmal rief uns auch eine Mutter an, um sich zu bedanken, dass sich ihr Sohn seit neuestem anschnallt."

Letzte Änderung: Mittwoch, 06.06.2012 13:22 Uhr

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