Augen auf in der KVB

Schüler aus der Schule Soldiner Straße werden Fahrzeugbegleiter

Lindweiler (ac). Noch warten die Jungen im Bus feixend darauf, dass Fahrer Christian Gallo losfährt, aber als er eine stattliche Vollbremsung hinlegt und "Tom", eine Puppe mit dem Gewicht eines zehnjährigen Kindes, in seiner Halterung an die Busdecke geschleudert wird, sind sie beeindruckt. 

Noch größer ist die Aufregung, als Gallo den Bus über eine rohe Kartoffel steuert. "Stellt euch vor, das wäre ein Kind" erläutert Karolin Kortheuer, KVB-Mitarbeiterin und Trainerin für das Projekt "Fahrzeugbegleiter". Dabei werden die Schüler ausgebildet, um in Zukunft als Fahrzeugbegleiter Konflikte und Gefahrensituationen unter ihren Altersgenossen auf dem Schulweg zu verhindern.
Aber bei den Trainings, die die Schüler der Schule Soldiner Straße mitmachten, ging es nicht nur um Action-Spiele: In Rollenspielen lernten sie bei Kortheuer und ihrem Kollegen Gerd Zimmer, worauf sie als ehrenamtliche Fahrzeugbegleiter in Zukunft achten sollen. "Wenn wir sehen, dass sich zwei ärgern oder rumschubsen, sollen wir versuchen, die aufzuhalten", so Noah (14). "Aber von Erwachsenen sollen wir wegbleiben", ergänzt André (12). Zum ersten Mal nahmen Schüler aus der Soldiner Straße an dem Training teil, an anderen Schulen ist es bereits Tradition, dass Siebt- oder Achtklässler lernen, worauf sie bei Altersgenossen in Bus und Bahn achten sollen. Nach den Trainingstagen sollte auch der Spaß nicht zu kurz kommen: Zum Abschluss gab es einen Ausflug zum KVB-Betriebshof mit Führung, einem kräftigen Frühstück und anschließend durften alle einmal ans Steuer einer echten Straßenbahn.
"Dahinter steht die Erfahrung, dass sich Jugendliche in der Öffentlichkeit nicht gerne von Erwachsenen etwas sagen lassen", weiß Hermann-Josef Doerfner, Leiter des Projekts. Also versuchen KVB-Mitarbeiter, Schüler für das Verhalten in Bus und Bahn zu sensibilisieren. Beschwerden über Jugendliche seien, so Doerfner seitdem zurückgegangen.
Am Projekt beteiligen sich mittlerweile über 20 Kölner Schulen. Voraussetzung für die Schüler ist, wegen des Unterrichtsausfalls, neben guten Noten die Zustimmung der Eltern. Schulen, die sich an dem Projekt beteiligen möchten, können sich unter Telefon 0221/ 5473339 melden.

Letzte Änderung: Donnerstag, 21.06.2012 12:38 Uhr

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