Porz (kg). Sobald man das Gebäude betritt, wird es dunkel.
Gut, dass der THW-Trupp vor mir Helmlampen hat. Doch auch jetzt,
weiß ich manchmal nicht, ob der nächste Schritt auf
Hausflurboden oder Trümerteile trifft. Die Männer vor mir
atmen aus Pressluftflaschen, Truppführer Philipp Billstein
prüft die Luft mit dem Multiwarngerät ständig nach
Gasen. Es ist eng in dem Gebäude, Türen liegen quer,
Stühle und sonstige Sachen, die im Dunklen schlecht
auszumachen sind, versperren ein normales Durchkommen.
Plötzlich wird es vorne unruhig. Billstein spricht über
Funk mit der Einsatzleitung: Die vermisste Person wurde gefunden.
Durch einen Deckeneinbruch leuchten die THW-Männer nach unten.
Ein Kind, etwa zehn oder elf Jahre alt, vermutlich bewusstlos,
liegt an einer Wand, vor ihm ein umgekipptes Sofa und
Bruchstücke aus Mauerwerk.
"Lageerkundung in einem teilzerstörten Gebäude und
Suchen einer vermissten Person", erklärt Zugführer
Christian Littke den Einsatzauftrag, "im Ernstfall hätte
uns eine andere Behörde wie zum Beispiel die Feuerwehr
angefordert", erläutert er. Anmerkung: Bei der vorhin
beschriebenen Situation handelt es sich um eine Übung. Von
Anfang an war klar, dass im Gebäude keine Gase austreten oder
andere nicht einzukalkulierenden Gefahren auftreten können.
Der elfjährige Leon spielte den Vermissten täuschend
echt, das Sofa staubte schon ein wenig, als er sich dort wie ein
echter Verletzter hereinlegte. Der Elfjährige ist bei der
Jugendgruppe des THW Porz. Heute schaute er bei der
Einsatzübung in einem leerstehenden Haus in Porz zu und kam
unverhofft zu einer wichtigen Rolle.
"Wir suchen immer Nachwuchs", sagt Littke, "ab elf
Jahren, egal ob Technik oder nicht, wir haben auch eine
Küche". Wenn der 35-Jährige nicht beim Technischen
Hilfswerk ist, arbeitet er als Schreiner. Sein Handwerk kam unter
anderem dem leerstehenden Gebäude zugute, in dem er die
Fenster mit Holzverschlägen verdunkelte. Seit 18 Jahren ist er
beim THW, damals kam er über den Wehrersatzdienst dazu:
"Ich bin dabei geblieben, weil es eine sinnvolle Sache ist um
Menschen in Notlagen zu helfen, wo sie selbst nicht mehr
rauskönnen". Für Littke ist die Kameradschaft sehr
wichtig, genauso wie für Katherina Bamberger, die den Einsatz
leitete. Die 30-jährige ist staatlich anerkannte Erzieherin
und auch wegen ihrem technischen Interesse dabei. "Es hat Sinn
und Zweck, dass wir Menschen in Katastrophensituationen
helfen", sagt sie.
Rettung aus teilzerstörtem Haus
Das THW probte den Ernstfall
Letzte Änderung: Montag, 02.07.2012 15:23 Uhr
Alle Titel im Großraum Köln/Bonn
Lernen Sie die weiteren Anzeigenblätter im Großraum Köln/Bonn kennen. »
