Neuehrenfeld (db). Die Kirche St. Anna war zur Weihe der neuen Glocke festlich geschmückt, und viele hundert Besucher waren gekommen, um bei der feierlichen Zeremonie am Johannestag dabei zu sein.
Zur Weihe war auch der Altbischof von Essen, Dr. Hubert Luthe, angereist. Er weihte Ehrenfelds größte Bronzeglocke auf den Namen "Sel. Papst Johannes XXIII.". Der 85-jährige Luthe, der bis 2002 Ruhrbischof war, ist einer der letzten Zeitzeugen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die kirchengeschichtlich bedeutende Versammlung wurde in Rom am 11. Oktober 1962 eröffnet und dauerte bis Ende 1965. In jener Zeit - von 1955 bis 1969 - war Luthe Geheimsekretär von Kardinal Frings, der zur Zeit des Konzils schon fast blind war. Per Sondergenehmigung von Papst Johannes XXIII. durfte Luthe den Kardinal begleiten und als einziger Kaplan an den Konzilberatungen teilnehmen. Somit lag auch über der Glockenweihe in St. Anna ein Hauch des Konzils. Am Ambo vor dem Altar stehend, sprach Luthe sichtlich ergriffen über einige seiner Erlebnisse beim Konzil und die Begegnungen mit Johannes XXIII., dessen ausgesprochene Bescheidenheit und Volksnähe er hervorhob. "Im Klang der neuen Glocke werden wir auch den Menschen Johannes XXIII. hören", gab Luthe der Glocke und den Besuchern mit auf den Weg. Im Anschluss sprach er das Weihegebet, segnete die Glocke und salbte sie mit Chrisam. Der im Jahr 2000 selig gesprochene Papst Johannes XXIII. hatte mit der Einberufung des Konzils dafür gesorgt, dass sich die katholische Kirche den Anforderungen der modernen Welt öffnete. Darauf bezieht sich auch die Inschrift auf der Glockenhaube: "Sel. Papst Johannes XXIII., bitte für uns Mit dem II. Vatikanischen Konzil, am 11. Oktober 1962 von Johannes XXIII. eröffnet, hat dieser Papst uns ein bleibendes Vermächtnis und eine andauernde Aufgabe hinterlassen." Die Schauseite ziert das von Florian Brands gestaltete Porträt von Johannes XXIII., darunter steht der Titel der päpstlichen Friedensenzyklika von 1963 "Pacem in Terris". Auf den Glockenflanken sind die Wappen des ehemaligen Papstes und des ehemaligen Kölner Erzbischofs Josef Kardinal Frings zu sehen. Besonders bewegt war Hans Fey, Mitglied im Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Peter, Initiator und Spendensammler für das Glockenprojekt St. Anna." Es war mir ein besonderes Anliegen, diesem großenKonzilspapst die Glocke zu widmen. Dass sie nun von Altbischof Luthe, der damals Kardinal Frings zusammen mit Joseph Ratzinger, dem jetzigen Papst Benedikt XVI., zu den Sitzungen des Zweiten Vatikanischen Konzils begleitete, geweiht wurde, war der bewegendste Tag in meinem Leben. Ich bin einfach nur dankbar und erleichtert", erklärte Fey im Anschluss an die Weihezeremonie. Seit dem Sommer 2010 hatte der Puppenspieler aus dem Hänneschen-Theater rund 50.000 Euro an Spenden gesammelt - von Privat- und Geschäftsleuten, vor allem aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis im Kölner Karneval. Den Spendern zum Dank steht auf dem Glockenschlagring: "Däm Här zo Ihr un de Minsche zor Freud ben ich e Jeschenk vun mih als 300 Minsche, denne uns Kölle, uns Muttersproch un uns Kirch am Hätze litt. Kölle Alaaf!" Mit einem Spezialkran wurde die Glocke mittlerweile in den Kirchturm gehoben und im Glockenstuhl montiert. Mit der neuen Glocke ist das Geläut - 70 Jahre nach der Zwangsenteignung der ursprünglichen Glocken durch die Nazis - wieder vierstimmig. Am heutigen Mittwoch findet ein Probeläuten statt. "Das schenke ich mir selbst zu meinem heutigen 60. Geburtstag", sagte Hans Fey. Künftig wird "Johannes XXIII." dann nur zu besonderen kirchlichen Festtagen und besonderen Anlässen geläutet.


