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Tipps und aktuelle Fahrberichte - exklusiv von Motorjournalist Werner Müller


EU-Bürokraten bringen jährliche Tüv-Prüfung für ältere Autos ins Gespräch

Arbeitsbeschaffung für EU-Bürokraten oder ein ernsthafter Vorschlag? Die EU will Automobile, die 7 Jahre alt und noch älter sind, jährlich zur Hauptuntersuchung schicken

"Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht." Northcote Parkinson, ein britischer Soziologe, schrieb 1955 seine leicht ironischen Kernsätze zur Ausuferung der Bürokratie auf.

Mit seinen Beschreibungen wie "Jeder Angestellte wünscht die Zahl seiner Untergebenen, nicht jedoch die Zahl seiner Rivalen zu vergrößern" oder "Angestellte schaffen sich gegenseitig Arbeit" hat er offenbar auch die sich immer mehr ausdehnende EU-Bürokratie voraus geahnt.

Wie anders sind die immer neuen Ideen der EU-Kommissare und deren Beamtenflut zu erklären, die da aus Brüssel auf uns einprasseln. Diesel höher besteuern als Benzin, Feinstaub-Zonen, Umweltampeln auch für Auto-Schadstoffe, die hoch dotierten "EU-Angestellten" schaffen nicht nur sich, sondern auch der Gegenbürokratie in den EU-Mitgliedsstaaten und uns, den EU-Bürgern, "Arbeit" durch dann aufflammende Diskussionen.

Jüngstes Beispiel: Den Autofahrern droht eine neue Belastung. Die EU-Kommission - allen voran der aus Estland stammende Kommissions-Vize Siim Kallas - will für ältere Autos ab dem siebten Jahr oder ab 160.000 km Laufleistung eine jährliche Prüfung bei der Hauptuntersuchung (salopp Tüv-Prüfung) in Europa einzuführen. Die Begründung: Mit besser und häufiger geprüften älteren Automobilen gäbe es weniger Unfälle, Verletzte und letztlich auch weniger Verkehrstote.
Eine im Grunde sinnvolle Überlegung hat aber speziell aus deutscher Sicht falsche Ansätze. Unser HU-Prüfsystem bei Tüv, Dekra, GTÜ etc. ist durch den zweijährigen Rhythmus (nach drei Jahren für ein Neufahrzeug) besser als in vielen europäischen Nachbar-Staaten. Viele der älteren Fahrzeuge sind hierzulande in einem weitaus besseren Zustand als bei einigen Nachbarn, vor allem denen in Südeuropa.

Die fällige Gebühr von 60 Euro wäre zudem speziell für weniger gut betuchte Besitzer von älteren Modellen eine zusätzliche Belastung. Von den fälligen Reparaturkosten ganz zu schweigen.

Tüv und Co. begrüßen den Vorschlag der EU natürlich außerordentlich. Logisch, denn es winken rund 20 Millionen zusätzliche Prüfungen pro Jahr. Macht bei 60 Euro satte 1,2 Milliarden Euro Mehreinnahmen. Auch die Sprecher des deutschen Kraftfahrzeug-Handwerks finden die Idee natürlich gut.
Der ADAC hält dagegen und sieht vor allem keine technische Begründung für derartige Überlegungen. Laut ADAC weist die Unfallstatistik 2010 exakt 354 919 Pkw-Unfälle mit Personenschäden aus. "Der Anteil an Pkw, bei denen ein technischer Mangel als Unfallursache registriert wurde, lag bei 1508. Das entspricht lediglich einem Anteil von 0,42 Prozent durch technische Mängel verursachte Pkw-Unfälle mit Personenschaden."

Der Automobilclub führt zum Beispiel Reifenschäden als technische Mängel an, die zum Unfall führen können. Diese würden aber durch eine Verkürzung der TüV-Prüfintervalle kaum festgestellt. Und Reifenschäden haben auch nichts mit dem Alter des Fahrzeugs zu tun.

Unsere Politiker haben offenbar gemerkt, dass man sich bei diesem Thema besser auf die Seite der gebeutelten Autofahrer schlägt. Beispiele: Verkehrsminister Raumsauer hält aus deutscher Sicht nichts von den EU-Plänen. "Sie würden für viele Autofahrer mehr Bürokratie und höhere Kosten bedeuten." Ramsauers Sprecher ergänzte: "Wenn wir die Prüfpraxis in Europa etablieren können, die wir in Deutschland haben, dann sind wir bei der Verkehrssicherheit nicht nur einen, sondern drei große Schritte vorangekommen"

Erstaunlicherweise ist auch die deutsche Polizeigewerkschaft gegen die EU-Pläne."Der Zustand der Fahrzeuge bei Unfällen in Deutschland spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle," sagt Gewerkschaftschef Rainer Wendt. Raserei, Alkohol und Fahren ohne Gurt Gründe sind nach seiner Meinung Gründe für die schlimmen Unfälle.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer fordert gar einen "TÜV für Brüssel." Man müsse "die Bürger wirksam vor ausufernder EU-Bürokratie schützen." Doch dafür scheint es fast schon zu spät. Parkinson behauptete schon vor 50 Jahren: Die Kernaufgaben in der Bürokratie können ganz weg fallen, ohne dass die Verwaltung deshalb schrumpfen würde.

Also, viel Theater um nichts? Bei der EU-Bürokratie wäre ich da vorsichtiger. Die haben sogar mal die Krümmung der Gurken europaweit vorgeschrieben.

Letzte Änderung: Dienstag, 17.07.2012 12:00 Uhr

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