Widdersdorf (cd). Seit 30 Jahren ist die "Alte Schule" der Mittelpunkt der Widdersdorfer Jugend. Zu diesem besonderen Geburtstag ließ es sich Kabarettist Jürgen Becker nicht nehmen, bei einer Benefiz-Veranstaltung zugunsten der "Alten Schule" aufzutreten.
Die mehr als 500 Zuschauer unterhielt er dabei mit seinem
Programm "Der Künstler ist anwesend", in dem er die
Geschichte der Kunst wunderbar respektlos durch die Brille des
rheinischen Humors betrachtete. Dabei wies er immer wieder darauf
hin, wie eng die Kunst und die Religion zusammenhängen:
"Egal, ob Kunst oder Religion, sie müssen die Litanei
kennen." Sonst laufe man Gefahr, bei einer Vernissage die
Exponate mit dem Feuerlöscher zu verwechseln. Jürgen
Becker beehrt die "Alte Schule" regelmäßig,
denn er ist dem Jugendzentrum seit den Anfängen verbunden: Vor
30 Jahren gehörte er als Gründungsmitglied zu der
Bürgerinitiative, auf deren Wirken hin die "Alte
Schule" nach dem Auszug einer Schule für Lernbehinderte
zu einem Jugendzentrum umgewidmet wurde. "Weiden hatte damals
ein Jugendzentrum und Junkersdorf, nur wir in Widdersdorf nicht.
Das ist ungerecht, haben wir uns gesagt", erinnerte sich der
Kabarettist und ergänzte: "Vor allem HelgaSchlapka von
der SPD hat uns dabei sehr unterstützt." Da die
finanzielle Situation der Stadt auch damals schon nicht die beste
war und kein kommunales Jugendzentrum bezahlen konnte,
gründete man einen Trägerverein, um das Jugendzentrum in
Selbstverwaltung zu betreiben. Um die nötigen Mittel zu
erwirtschaften, wurde unter anderem ein Open-Air-Festival
veranstaltet, bei dem auch BAP auftrat. Am 10. September 1983 wurde
die Einrichtung feierlich eingeweiht. Seitdem hat sich viel getan:
Nach unzähligen Renovierungsarbeiten ist aus dem
baufälligen Schulgebäude ein heller, freundlicher
Treffpunkt geworden. Vorangetrieben hat dies alles vor allem
Norbert Münnich, der 2003 als Leiter an die "Alte
Schule" kam, als diese an die Jugz gGmbH als Träger
übergeben wurde. "Ich habe mir damals den Stadtteil
angesehen und das Potenzial erkannt, dass hier vorhanden war, und
mir dann gesagt, das ist meine Aufgabe", sagte Norbert
Münnich. Durch sein ständiges Drängen auf weitere
Maßnahmen und dank vieler Presseberichte konnte die "Alte
Schule" die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, so dass immer
öfter Hilfsangebote von Außenstehenden kamen. Das
30-Jährige wurde neben dem Auftritt von Jürgen Becker am
nächsten Tag auch mit einem Familienfest begangen, bei dem die
eigentliche Zielgruppe der "Alten Schule" auf ihre Kosten
kam. "Da gab es viele Spiele für die Kinder und unsere
Gruppen führten auf der Bühne etwas vor", so Norbert
Münnich. Für die nächsten fünf Jahre hat er
sich zum Ziel gesetzt, die Baracke im Hof durch einen Neubau zu
ersetzen. Denn er erwartet für die Zukunft Probleme, die
andere Jugendzentren sicher auch gerne hätten: "Wenn ich
mir vorstelle, dass in ein paar Jahren nur ein Bruchteil der
Kinder, die jetzt in Widdersdorf noch zum Kindergarten gefahren
werden, unsere Angebote nutzen will, dann sind wir irgendwann
hoffnungslos überfüllt!" Bei aller nötigen
Veränderung ist ihm eines allerdings besonders wichtig:
"Dass die 'Alte Schule' immer ein Platz für die
Jugend bleibt."


