Von Montserrat Manke
Wesseling. 5000 Euro Preisgeld, über 2000 Arbeiten von 745 Künstlern, eine zehnköpfige Jury, die nicht weniger als zwölf Stunden am Stück tagte: Der Wesselinger Kunstpreis 2012 bietet wirklich einiges an Superlativen.
Dabei ist das Thema "Punkt ohne Wiederkehr" entstanden nach dem Drama von Fukushima: "Dieser Irsinn in der Welt, das beschäftigte uns. Aber das Wort »Irsinn« kann man ja in keiner Ausschreibung verwenden", sagte Dagmar Ueding bei der Pressekonferenz anlässlich der bevorstehenden Verleihung des Kunstpreises, der sich in 2500 Euro für den ersten Preisträger, 1500 für den zweiten und 1000 Euro für den Drittplatzierten aufteilt.
Hilfe bei der Namensfindung für das Thema gab es dann von der Wesselinger Galeristin Patricia Corboud. Sie war auch eine der Kunstexperten mit in der Jury, der Rest wurde den Statuten gemäß mit dem Bürgermeister und Mitglieder der Wesselinger Politik sowie Mitgliedern des ausrichtenden Vereins, des Kunstvereins Wesseling, besetzt.
Anhand der großen Beteiligung - mit 745 Künstlern bewarben sich so viele wie noch nie - lässt sich die Bedeutung des Wesselinger Kunstpreises sicher messen: Fast 30 Jahre (immer alle drei Jahre) wird der Preis verliehen, und es gab Einsendungen aus der ganzen Welt, darunter Arbeiten aus der Mongolei und Brasilien.
Erstmals wurden Skulpturen mit in die Ausschreibung aufgenommen, und von den über 2000 Arbeiten wurden am Ende 78 nominiert: 37 Malereien, 15 Fotografien, ebenso viele Arbeiten auf Papier und elf Skulpturen.
Ganze zwölf Stunden tagte die Jury - mit Prof. Dr. Udo Dziersk von der Düsseldorfer Kunstakademie als Vorsitzendem mit doppeltem Stimmrecht - im Rathaus dann standen die ersten beiden Preisträger einstimmig fest, und der dritte Preis musste noch einmal unter drei Nominierten gefunden werden.
Gewonnen hat die Arbeit "Spiegelung" von Gan-Erdene Tsend (33), einem Künstler, der in der Mongolei geboren ist und heute in Münster lebt und arbeitet. Die Arbeit des Meisterschülers von Prof. Hermann-Josef Kuhna zeigt eine Frau, die sichtbar alleine auf einer Straße geht, doch in der Pfütze auf dem Boden spiegelt sich ein Mann an ihrer Seite. Rechts daneben sieht man die bestiefelten Beine zweier Soldaten.
Auf dem zweiten Platz ist die Skulptur "Invasion" der Duisburger Künstlerin Sigrid Neuwinger. Das etwa 1,40 Meter große Objekt zeigt die Invasion seltsamer vierbeiniger Wesen, die ameisengleich ein Gitter erstürmen.
Der südkoreanische Künstler Kyoung Jae Cho hat mit der Fotografie "Excess" den dritten Preis gewonnen: Sein Bild zeiht einen nackten Asiaten, der inmitten tausender Bücher, die um ihn herum gestapelt sind, sitzt und die Augen geschlossen hat.
17 000 Euro kostet der Kunstpreis den Kunstverein Wesseling, und zum größten Teil hat Vereinschefin Dagmar Ueding dieses Geld bei Wesselinger Unternehmen und Privatpersonen "zusammen geköttet", denn alleine durch den Wegfall des Preisgeldes, welches in den Jahren zuvor von der Stadt gestiftet wurde, gab es eine immense Lücke.
Aber auch der Katalog ist dick wie nie zuvor, außerdem gibt es ein großes Fest, wie es ebenfalls noch nie dagewesen sei. Darüber hinaus kann man erstmals Arbeiten nicht nur in der Scheune des Schwingeler Hofes bewundern, sondern auch im Vorderhaus, in dem sich die städtische Galerie befindet.
Verliehen wird der Kunstpreis Samstag, 18. August im Kulturzentrum Schwingeler Hof, Schwingeler Weg 44 um 17 Uhr. Die Laudatio wird von Dr. Vanessa Sondermann, Jurymitglied und von der Düsseldorfer Kunstakademie, gehalten, anschließend wird es eine Talkrunde mit Dagmar Ueding als Moderatorin geben.
Musikalisch wird die neunte Kunstpreisverleihung in der Stadt am Rhein von Susanne Riemer an der Jazztrompete begleitet, nach dem offiziellen Teil gibt es ein großes Fest.



















