"2000 Jahre und es hat sich nichts geändert"

Wesseling-Berzdorf: Aufruhr um Friedhofsbank

Von Montserrat Manke

Berzdorf. Niemand, der es nicht selbst erlebt hat, kann auch nur annähernd fühlen, wie schmerzhaft der Tod des eigenen Kindes ist. Die normale Ordnung ist gestört, wenn Kinder vor den Eltern gehen und oftmals dauert es Jahre, um auch nur halbwegs mit dem Verlust fertig zu werden.

Eine Möglichkeit um die Trauer zu verarbeiten ist der häufige Besuch und die liebevolle Pflege des Grabes. Und genau das tun die Eltern des vor eineinhalb Jahren zu Tode gekommenen Daniel, der auf dem Friedhof im Schatten der Kirche bestattet ist. Kleine Geißböcke und frische Blumen schmücken die letzte Ruhestätte Daniels - man sieht, dass sich hier gekümmert wird. Um in Ruhe trauern zu können, hatten die Eltern zu Fuße der Grabstätte im Mai 2009 gleich an die Kirchenmauer eine kleine Plastikbank aufgestellt. Diese allerdings, so erklärt es Robert Flink vom Kirchenvorstand, sei hingestellt worden, ohne beim Eigentümer - der Kirche - um Erlaubnis zu fragen.

"Sie stellen doch auch nicht einfach auf einem fremden Grundstück ein Möbelstück auf", sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Aber angesichts der besonderen Umstände, in denen sich das Ehepaar befand - der Verlust des einzigen Sohnes - sei man nach dem Sechswochenamt auf die Familie zugegangen und habe ihnen gestattet, die Bank ein Jahr stehen zu lassen.

Zwölf Monate gingen ins Land, und die Bank stand immer noch da. Deshalb wurde Flink einen Monat später noch einmal persönlich vorstellig und erinnerte an die Vereinbarung. Der Vater des verstorbenen Jungen habe sich einsichtig gezeigt, passiert sei aber nichts. Wieder habe man sechs Wochen gewartet, und noch mal die Initiative ergriffen, diesmal sei es allerdings im Ton etwas rauer an der Türe zugegangen, so Flink im Gespräch mit der Redaktion.

Daraufhin wurde die Familie angeschrieben und in einem Brief - von Pastor Markus Polders unterschrieben - aufgefordert, die Bank bis spätestens 15. Oktober zu entfernen. Die Familie schrieb zurück, dass man die Friedhofsbesucher gefragt hätte, und sich niemand an der Bank störe. Auch habe man keine "Nachahmungen" in Sachen Bankaufstellung finden können, denn das sei vor einem Jahr die Befürchtungen der Kirche gewesen. Insofern könne man doch schauen, wie es weitergeht, dass sei auch damals so besprochen worden. Abschließend wollte das Ehepaar wissen, ob der Beschluss zum Abbau der Bank einstimmig im Kirchenvorstand gefallen sei.

Polders schrieb zurück, dass der Beschluss einstimmig gefasst worden sei, der Kirchenvorstand für die Einhaltung von bestimmten Regeln auf dem kirchlichen Teil des Friedhofes in Berzdorf zuständig sei und man im vergangenen Jahr aufgrund des tragischen Unfalles des Sohnes ein Zugeständnis gemacht habe, welches an eine Frist von einem Jahr gebunden gewesen sei.

Daraufhin wurde die Bank auch pünktlich entfernt. Aber das hätte vielleicht gar nicht sein müssen. Denn, wie Flink äußerte, die Kommunikation sei nur in eine Richtung verlaufen. "Wohl ist uns nicht bei der ganzen Sache", sagt Flink, der zusammen mit sieben weiteren Ehrenamtlern und dem Pastor den Kirchenvorstand bildet. Wenn der Dialog gesucht worden wäre, so Flink, hätte man über die Installation einer Metallbank nachdenken können. Und auch jetzt - so der 44-Jährige weiter, seien die Türen weiter offen für ein Gespräch: "Aber dann muss man schon mal mit uns reden".

"2000 Jahre und es hat sich nichts geändert", sagt Maria Meiss, die mit der Redaktion Kontakt aufgenommen hatte und in einem Atemzug das Gleichnis des "barmherzigen Samariters" aus der Bibel anspricht. In diesem gehen ein Priester und ein Levit an einem von Räubern halbtot geschlagenem Mann vorbei, ohne sich um ihn zu kümmern. Erst ein Mann aus Samarien hat Mitleid, und hilft dem Schwer Verletzten. "Die Kirche hätte auf die Familie zugehen müssen, nicht umgekehrt", so Meiss.

Unabhängig von diesem Fall scheint in Sachen Bänke auf dem Berzdorfer Friedhof an der Kirche Bewegung in die Sache gekommen zu sein: Wie Robert Flink sagte, liege dem Kirchenvorstand zwischenzeitlich ein Anliegen von anderer Seite vor, in welchem es um das Aufstellung von einer oder sogar mehreren Bänken geht.

Letzte Änderung: Montag, 15.11.2010 11:01 Uhr

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