Von Montserrat Manke
Wesseling. Ludger Strobel ist wütend: "Ich habe schon vor 25 Jahren hier gestanden und gegen Atomkraft demonstriert. Damals war Tschernobyl. Uns wurde gesagt, so etwas kann in der westlichen Welt nicht passieren. Wie das passieren kann, das hat man in den letzten 25 Jahren ja gesehen". Der grüne Stadtverordnete ist einer von etwa 45 Menschen, die sich am Montagabend spontan zu einer Mahnwache vor dem Rathaus entschlossen hatten, um der Opfer der Katastrophe in Japan zu gedenken, aber auch um gegen Atomkraft zu demonstrieren.
Derweil fehlen Hans Mauel fast die Worte und man sieht dem Fraktionschef der SPD an, dass er froh ist, bei der Mahnwache zu stehen, um seiner Trauer Ausdruck zu verleihen.
"Unfassbar", seien die Ereignisse im fernen Japan, und in Gedanken sei er bei den Menschen, die dieses furchtbare Leid erlitten haben. Mauel, der als Sachverständiger einer großen Versicherung schon ganze abgebrannte Fabrikhallen gesehen hat, steht die tiefe Betroffenheit ins Gesicht geschrieben: "Ich bin in erster Linie hier, um meine Solidarität mit den Menschen in Japan zu bekunden", sagt er. Aber auch Hans Mauel bekundet, dass man in Sachen Ausstieg aus der Atomkraft wieder zum Status Quo vor dem Beschluss der Verlängerung der Laufzeiten zurück finden müsse.
Parteilos ist Erika Reiner, die auch den Weg zum Rathaus gefunden hat, zur spontanen Mahnwache. "Ich denke, zumindest die älteren Atomkraftwerke sollten vom Netz, aber ich weiß halt nicht, wie das mit der Stromversorgung ist", sagt sie und hält dabei einen der vielen gelben Luftballons in der Hand, auf die "Atomkraft? Nein Danke!" aufgedruckt wurde.
Auch die Linken sind vor Ort, zeigen sich solidarisch, und Ratsmitglied Sascha Jügl nickt zustimmend, als Ludger Strobel sich über den jüngsten Beschluss der Bundesregierung ereifert, die AKW Verlängerung für drei Monate "auszusetzen". "Ja klar, bis der Wahlkampf vorbei ist", so der streitbare Strobel, der dafür bekannt ist, keinem politischen Konflikt aus dem Weg zu gehen.
Mit vor dem Rathaus steht auch Genosse und Ratsmitglied Helmut Latak, und auch er hält einen der gelben Ballons in der Hand, auf deren Rückseite übrigens das Logo der Grünen aufgedruckt ist. "Na, für die gute Sache kann man das ja machen", sagt er angesichts des "fremden" Parteilogos und schmunzelt. Ich werfe ein, dass "Atomkraft nein Danke" doch eine urgrüne Angelegenheit sei. "Das stimmt ja überhaupt nicht", entgegnet mir Latak und zieht dabei die Augenbrauen hoch, "ich bin schon Kette von Walberberg nach Wesseling gelaufen, da gab es die Grünen quasi noch überhaupt nicht".
















