Von Montserrat Manke
Wesseling. Angelika Schäfer geht gleich in die Vollen: "Der Bürgermeister hatte uns versprochen, Leute zu schicken, die renovieren. Und eine neue Außentreppe. Das war vor einem Jahr - bislang ist nichts passiert".
Schäfer ist Vorsitzende der seit 1999 in der Stadt am Rhein existierenden "Wesselinger Tafel". Die bundesdeutschen Tafeln sind eine gemeinnützige Organisation, die da hilft, wo Geld für das tägliches Essen fehlt, um es mal salopp auszudrücken. Jeden Tag kommen gut 80 Männer, Frauen und Kinder zu den Kellerräumen der Tafel im AWO-Haus am Sonnenberg.
Hier erhalten sie Lebensmittel, die in den Supermärkten und Bäckereien nicht mehr verkauft werden (können). Entweder weil das Mindesthaltbarkeitsdatum gerade abgelaufen ist, oder kurz davor ist, zu verfallen. Oder Salat, der nicht mehr ansehnlich ist, für den zahlenden Supermarktkunden. Gleiches gilt für Gemüse und Obst. Das Brot vom Vortag kommt aus den Bäckereien.
Über 400 Bedürftige werden unterstützt, und die ehrenamtliche Arbeit wird von zehn Aktiven gestemmt. Sie sammeln mit dem in die Jahre gekommenen Bus die Lebensmittel ein, sortieren sie, und sind verantwortlich für die Ausgabe selbiger.
Angelika Schäfer spricht von einem "Vollzeitehrenamt", denn für ihren Verein wendet sie gut 40 Stunden die Woche auf. "Eigentlich könntest Du arbeiten gehen", habe ihr Mann schon mal ausgeführt. Doch die 54-Jährige ist mit Leib und Seele dabei, und die eingangs von ihr gesprochenen Worte fielen auf Nachfrage der Presse bei einer Traubenzucker- und Scheckübergabe im Vortragssaal von Evonik Industries.
Mit den 2000 Stück Traubenzucker übergab Werksleiter Dr. Gerd Wolters (54) nämlich genauso viele Euros und das Geld stammt aus dem Bruch einer langjährigen Tradition: Die Werksmitarbeiter, die an Weihnachten Schicht hatten, bekamen am Heiligen Abend eine Geschenktüte. Doch darauf verzichteten alle, und statt dessen wurde das Geld an die Wesselinger Tafel gespendet.
Zwar wollen Schäfer und ihr Team - acht Frauen und ein Mann - mit dem Geld die vom Stadtoberhaupt anvisierten Renovierungsarbeiten nicht in Angriff nehmen, denn sie haben schon längst selber zu Farbe und Pinsel gegriffen, aber vielleicht könne man ja einen Computer davon anschaffen, um endlich mal Statistiken zu machen und die Administration zu erleichtern. Auf ein solches Hilfsmittel muss man nämlich bislang verzichten.
Ein Teil wird sicher auch in den Topf für einen neuen Bus gehen, mit dem die Lebensmittel abgeholt werden, denn auch dieser sei ordentlich in die Jahre gekommen. Mit dem Bus wird darüber hinaus die samstägliche "Behindertentafel" organisiert.
Junge Menschen mit Behinderungen aus dem gesamten Umkreis fahren dann gemeinsam mit Schäfer zu den Menschen, die aufgrund von Krankheit nicht zur Tafel kommen können, und bringen die Essenswaren nach Hause: "Die jungen Leute haben einen Riesenspaß, zu helfen", sagt sie.
Standortleiter Dr. Gerd Wolters betonte in seiner kurzen Ansprache die Wichtigkeit der Tafel, und wie großartig die Arbeit sei, die dort geleistet würde. Und er erklärte, warum man 2000 in Werksfarbe Lila verpackte Traubenzucker mit dazu getan habe: Den esse schließlich jeder gerne, von Jung bis Alt, und das würde damit den Querschnitt der Tafelbesucher symbolisieren.
Die Wesselinger Tafel sucht dringend Ehrenamtler, die helfen
möchten, vor allem einen Fahrer. Mehr Infos bei Angelika
Schäfer unter Telefon 0 22 36/48 795 oder im Netz: www.wesselinger-tafel.de.

















